MKD – Das Dachverbandstreffen

`Auf halben Wege´ trafen wir uns am ersten Novemberwochenende mit unseren Stuttgarter FreundInnen in Waltershausen/Thüringen zum jährlichen Dachverbandstreffen. Neben organisatorischen Fragen zu den Befreiungsfeierlichkeiten 2019, dem Bericht über das letzte Arbeitstreffen des  Comité International de Mauthausen (CIM) in Amsterdam, der allgemeinen Situation in Mauthausen und Loibl, diskutierten wir auch das Schwerpunktthema für die kommenden Befreiungsfeierlichkeiten: Niemals Nummer, immer Mensch. Dabei streiften wir Fragen bezüglich der instrumentellen Vernunft, der verwalteten Welt, die Fragen nach Verantwortung und Solidarität, aber auch der Ohnmacht in einem sich totalitär zuziehenden Europa voller Nationalismus. Wir waren uns durchaus einig, dass die oft zitierten Anfänge, denen es doch zu wehren gelte , bereits weit und lange überschritten sind. Das ist durchaus eine Niederlage. Dennoch Ohnmacht entbindet uns nicht von Verantwortung. Neben der Form des Mahnens , des Erinnerns, des Bewußthaltens  wird die eigene Reflexion über die Verhältnisse sowie das aktive Verweigern und Widerstehen in der kommenden Zeit durchaus von größter Bedeutung sein. Das machte uns auch der Besuch am `Erinnerungsort Topf und Söhne´ im Rahmen unseres Treffens sehr deutlich. Die engagierte Führung von Rüdiger Bender ( Vorsitzender des Förderkeises dieses Erinnerungsortes) erhellte uns viele Momente, die uns in unserer Diskussion begegneten. Die Brieffloskel „Stets gern für Sie beschäftigt,…“ ist groß aufgetragen worden am ehemaligen Verwaltungsgebäude  dieser “ ganz normalen Firma“. Der Gang durch die Ausstellung klärt schließlich auf. 

Das Reflektieren über die täglichen  „Normalitäten“ bleibt sicher unerlässlich und mit einem kleinen Nein, entwischt man vielleicht hier und da der Ohnmacht und rettet im besten Fall etwas Glück für sich und die Anderen. Zu den Befreiungsfeierlichkeiten 2019 in Mauthausen werden wir zahlreich und in verschiedenen Generationen zusammenkommen, bewusst und solidarisch. Bis dahin und danach gibt es täglich einiges zu tun und sehr viel zu verweigern.                                                                                    weisi

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„Techniker der ‚Endlösung‘. Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz“
https://www.topfundsoehne.de/ts/de/ausstellungen/dauerausstellungen/techniker_der_endloesung/index.html

Besuch der Gedenkstätte

Anfang Oktober, mein dritter Besuch in diesem Jahr, begrüßte uns Andreas Baumgartner an den Toren der Gedenkstätte Mauthausen um unsere kleine Gruppe Pädagog*innen, Multiplikator*innen und Interessierte durch die Gedenkstätte zu führen. 

Es war eine interessante, bewegende Führung – ich wäre auch noch vier weitere Stunden mit seinen Geschichten und seinem Blick durch die Gedenkstätte gelaufen. Doch das Programm der Studienreise ginge weiter…Aktuell steht weiterhin ein großer Bauzaun vor der Todesstiege. Ein Betreten, ein Erinnern oder gar die Vermittlung des Ortes sind nicht möglich. Nach der Führung trafen wir Anni. Es war eine große Freude und Überraschung für alle. Es ist doch auch sehr schön bekannte Gesichter wiederzusehen. 

Pressemeldung MKÖ vom 28.09.2018:

Massnahmen am Ort des ehemaligen KZ-Außenlager Loibl Nord: Mauthausen Komitee protestiert

Das Mauthausen Komitee Österreich arbeitet, gemeinsam mit seinen lokalen Initiativen, bereits seit Jahrzehnten an der wissenschaftlichen Aufarbeitung, an der Vermittlung der Geschichte der ehemaligen Außenlager des KZ Mauthausen und veranstaltet jährlich mehr als 90 Gedenk- und Befreiungsfeiern österreichweit. Die jährliche Befreiungsfeier am Ort des ehemaligen KZ-Außenlagers Loilb Nord ist eine davon. Nun kam es zu Veränderungsmaßnahmen vor Ort im Rahmen eines Projekts der Bundesanstalt „KZ-Gedenkstätte Mauthausen/Mauthausen Memorial“.

Solche Maßnahmen ohne die lokale Initiative des Mauthausen Komitee Österreich, die sich seit vielen Jahren die Gedenk- und Erinngerungsarbeit am Loibl durchführt, zu setzen, zeigt von mangelnde Sensibilität und Professionalität“, so der MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi.

Bei einer Veranstaltung zum „Tag des Denkmals“ wird das Projekt der Bundesanstalt „KZ-Gedenkstätte Mauthausen/Mauthausen Memorial“, das sich den Namen „Erweiterung der KZ-Gedenkstätte“ gegeben hat, erstmals am Standort des ehemaligen Kärntner Mauthausen-Nebenlagers „Loibl-KZ-Nord“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška wird an der Veranstaltung aus Protest nicht teilnehmen.

Wir protestieren sowohl gegen die Vorgangsweise der Planung dieses Projekts (Intransparenz der Vorabsprachen und der Entscheidungsverläufe) als auch gegen das Endergebnis, mit dem sich nun Kärnten konfrontiert sieht: mit der Verhüllung der baulichen Überreste der ehemaligen KZ-Waschbaracke durch einen  „Sarkophag“ aus Beton und mit den zugedeckten Grundrissen der ehemaligen Küchenbaracke und des Appellplatzes, die bereits zuvor durch die Rekonstruktion sichtbar waren. Wir sehen in den vollzogenen Veränderungen eine Verdeckungsmaßnahme, die weder mit der Notwendigkeit des „Denkmalschutzes“ begründbar ist, noch unseren Vorstellungen von einer „Erweiterung“ der im Entstehen begriffenen Gedenk- und Lernstätte entspricht“, so Manfred Morokutti, Obmann Mauthausen Komitee Kärnten/ Koroška.

Da die getroffenen Veränderungsmaßnahmen die Vermittlungsarbeit der „Mauthausen-Außenlager-Guides“ vor Ort sehr erschweren und die Gedenk- und Erinnerungsarbeit ad absurdum führen, fordert das Mauthausen Komitee Kärnten/ Koroška die Verantwortlichen dazu auf, den vorherigen Zustand des Geländes wieder herzustellen, den Sarkophag zu entfernen und die bereits vorhandenen Konzepte der Sichtbarmachung und Unterschutzstellung entsprechend den Erfordernissen des sensiblen und belasteten Ortes so rasch als möglich umzusetzen.

Rückfragen:

Mauthausen Komitee Österreich: Willi Mernyi, MKÖ-Vorsitzender

Tel. 0664/1036465, 01/2128333 E-Mail: info@mkoe.at, Web: http://www.mkoe.at/presse; www.mauthausen-guides.at

Mauthausen Komitee Kärnten/ Koroška : Manfred Morokutti, Obmann
mk-kaernten@mkoe.at; Mobil 0650 4108208

Mauthausenfahrt 2019

Derzeit planen wir die Fahrt zu den Befreiungsfeierlichkeiten nach Mauthausen vom 2. bis 7. Mai 2019. Mit dabei werden neben einigen Mitgliedern des Komitees auch Schulklassen aus Berlin und Brandenburg sein – aber auch befreundete Initiativen, denen die antifaschistische Jugend- und Bildungsarbeit wichtig ist. Selbstverständlich können auch Privatpersonen und Interessierte an der Reise teilnehmen.
Wendet euch also einfach gerne an uns: kontakt[@]dmko.de

Derzeit planen wir: 

  • Besuch der Gedenkstätte Hartheim
  • Besuch der Gedenkstätte Mauthausen
  • Zeitzeuginnengespräch mit Anna Hackl
  • Teilnahme an den Befreiungsfeierlichkeiten in Mauthausen und Ried
  • Teilnahme an der Sitzung des Internationalen Mauthausen Komitees
  • Audioweg in Gusen
  • Besuch des Stollen der Erinnerung in Steyr
  • Teilnahme an der internationalen Jugendbegegnung in Gusen

Roman Rubinstein

Roman Rubinstein ist das einzige Kind von Jacob und Rosalia Rubinstein. Sein Vater, Doktor der Chemie, arbeitet zuletzt in der Filmindustrie, seine Mutter, gebürtige Russin, ist Hausfrau und immer wieder in der Modebranche tätig.

Der Anfang eines politischen Lebens

Seine Eltern sind parteilos, wie viele deutsche Juden assimiliert und konservativ. Von dieser Seite her hat Roman also keine Vorausstetzungen sich politisch zu engagieren. Besonders sein Vater, sträubt sich gegen seine (wachsende) politische Betätigung. Die Beziehung und der Einfluss seines Onkels mütterlicherseits, Alexander, ein alter Bolschewik, Kampfgefährte Lenins in der Verbannung und nach der Revolution Mitglied des ZK, bringt Roman dazu, sich mit politischen Problemen zu beschäftigen:

„Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, warum
es Arme und Reiche gibt.“

Roman tritt nicht aus Überzeugung, sondern als linksliberaler Bourgeois dem Kommunistischen Jugendverband (KJVD) in der Unterbezirksleitung
(UBL) Charlottenburg bei.

„Von Tuten und Blasen, d.h. vom Marxismus, hatte ich natürlich keine Ahnung. Ich hatte nichts gelesen. Das erste Buch, das ich gelesen habe, war Barbusse ‚Das Feuer’. Das hat auf mich einen ungeheuren Eindruck gemacht. Wir hatten eine sehr gute Jugendzelle in Charlottenburg. Na ja. Ich bin da gewesen, weil mir die Leute gefallen haben, und weil da ein Mädchen war, mit dem ich ein bisschen poussiert habe.“

Politische Arbeit im KJVD

Kurz nach seinem Eintritt werden ihm kleinere Aufgaben anvertraut. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten beginnt 1933 die illegale Arbeit. 

„Da haben wir Zellenversammlung gemacht. Der politische Leiter sagte: ‚Jetzt wird es ernst. Wir müssen in die Illegalität. Wer Angst hat und nicht mitmachen will, da ist die Tür. Wir halten niemanden. Es wird gefährlich.’ Na ja, wie gefährlich das wird, konnte ich mir auch nicht vorstellen. Aber auf der anderen Seite wollte ich auch nicht als Feigling dasitzen, bin also geblieben und nicht rausgegangen.“

Aktionen in der deutschen Illegalität

„Wir machten einige Aktionen. […] Wir verteilten Flugblätter. Die Druckerzeugnisse wurden von Radfahrern in der Berliner Straße abgeschmissen. Auch vom KaDeWe ließen wir mit der ‚Weddinger Wippe’ Flugblätter runterflattern.“ 

Für Roman beginnt die richtige Illegalität jedoch erst als er als Verbindungsmann zwischen der UBL des KJVD und der UBL der KPD eingesetzt wird:

„[…] Sie haben mich damals benötigt, weil ich wenig bekannt war, sehr bürgerlich, gut angezogen, und mich am Ku`damm bewegen konnte, ohne aufzufallen. […] Ich wurde hin- und hergeschickt, Treffen ausmachen, Briefe oder Botschaften überbringen.“

Mit dem Hinweis darauf, dass er politisch engagiert und Jude sei und außerdem gesucht werde, wird ihm nahe gelegt zu flüchten.

  1. B.V. VdN e.V. / Verein für angewandte Konfliktforschung e.V.: „Im Widerstand gegen das NS-Regime. Gespräche aus den Jahren 1997/ 1998. Gesamtes Interview mit Roman Rubinstein“, Berlin 1998, S. 1.
  2. ebd.
  3. ebd.
  4. ebd.
  5. ebd., S.2.

Otto Wiesner

Der Sohn eines Bergarbeiters erlernte nach dem Besuch der Volksschule den Beruf des Schriftsetzers. 1926 wurde er Mitglied des KJVD und 1928 der Kommunistischen Partei Deutschlands. Wiesner wurde wegen seiner Mitgliedschaft und Aktivitäten in der KPD im September 1934 von der Gestapo verhaftet. 1936 wurde er wegen Hochverrats zu sieben Jahren Gefängnis und zu acht Jahren Ehrverlust verurteilt. Otto Wiesner wurde in das Konzentrationslager Sachsenhausen und später in das Konzentrationslager Mauthausen in Oberösterreich verschleppt. Erst 1945 wurde er bei dem Einmarsch der US-Armee befreit.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges engagierte er sich beim Neuaufbau einer neuen politischen Ordnung in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone. Er ging nach Berlin, meldete sich beim ZK der KPD in der Wallstraße und wurde nach Potsdam geschickt, wo er zu den Gründern antifaschistischer bzw. sozialistischer Jugendausschüsse im Land Brandenburg gehörte. Seit ihrer Konstituierung am 10. September 1945 war er auch Mitglied des Zentralen Antifaschistischen Jugendausschusses, dessen Leiter Erich Honeckerwar.[1] Wiesner war Mitglied der KPD-Bezirksleitung und Jugendsekretär der KPD-Bezirksleitung Brandenburg und von 1946 bis 1950 Abgeordneter des ersten brandenburgischen Landtages nach dem Krieg. 1946 wurde er Mitglied der SED und war von 1946 bis 1948 Landesvorsitzender der FDJ in Brandenburg. Gleichzeitig war er bis 1949 Mitglied des Zentralrats der FDJ. Anschließend war er als Mitarbeiter im ZK der SED tätig. Von 1955 bis 1960 leitete er die Gedenkstätte für das Potsdamer Abkommen.

Seit 1960 war er als freier Schriftsteller tätig und kämpfte gegen nationalsozialistisches Denken. Er hielt an seiner kommunistischen Überzeugung fest.

Am 9. November 2005 wurde er mit einem Ehreneintrag ins Goldene Buch Potsdams geehrt.

Zubetonierte Erinnerungen

Aus: Ausgabe vom 29.08.2018, Seite 15 / Antifa

Von Anika Taschke

Auch in diesem Jahr unternahm die Organisation »Zivilcourage vereint« e. V. mit der Bundestagsabgeordneten Dr. Gesine Lötzsch von Die Linke und jungen Menschen aus ganz Deutschland eine Reise auf den Spuren des antifaschistischen Widerstandes in Europa. Diesmal nach Österreich und Slowenien. Am 2. August traf die Gruppe das erste Mal zusammen. Teilnehmende im Alter von 16 und 26 Jahren, aktiv in den Bereichen Antifaschismus, Antirassismus und Demokratie, hatten sich zur Studienreise angemeldet und fuhren zum Startpunkt nach München. Von dort aus folgte eine sechstägige Reise mit Gedenkstätten- und Museumsbesuchen, Zeitzeugengesprächen und abenteuerlichen Wanderungen. Bereits an der ersten Station, der ehemaligen »Euthanasie«-Stätte Schloss Hartheim bei Alkoven in Oberösterreich, fiel den Reisenden auf: Ein großes Interesse der Nachbarschaft an dem Thema und dem Ort in ihrem eigenen Dorf gibt es nicht.

In der KZ-Gedenkstätte Mauthausen stieß die Gruppe auf Eigenheiten, die sie im Gespräch mit der Leiterin der pädagogischen Abteilung, Gudrun Blohberger, kritisch hinterfragte. Seit April dieses Jahres sind Treppen und einige Wege innerhalb der Gedenkstätte abgesperrt. Darunter fällt auch die sogenannte Todesstiege. Errichtet wurde sie, um die Steine des unterhalb liegenden Steinbruchs in das Lager zu transportieren – getragen unter größter Anstrengung von Häftlingen des Konzentrationslagers und beschleunigt durch Peitschenhiebe der SS. Heute ist die Treppe aufgrund baulicher Maßnahmen und eines erhöhten Sicherheitsrisikos gesperrt. Ein Gedenken und Erinnern, nicht einmal ein Besehen der historischen Treppe und des Tatorts »Todesstiege« ist möglich. Eine neue Bauvorschrift sei daran schuld. Sie regele, dass nach 20 Stufen ein Podest gebaut werden muss, um Stürzende zu schützen. Eine Regelung, die uns auf der ganzen Reise nicht wieder begegnete. »Einmal mehr wird deutlich, dass Geschichte und Erinnerungen nicht selbstverständlich sind«, mahnte Gesine Lötzsch. »Wir müssen um diese kämpfen und vermeidlich kleine Verwaltungsakte hinterfragen, bevor historische Originale und Beweise verschwunden sind.« 

In Gusen, einem Nebenlager von Mauthausen, steht nichts mehr. Ehemalige Häftlinge kauften dort 1961 ein Grundstück, um ein kleines Museum zu ermöglichen. Seit einigen Jahren gibt es ein Kunstprojekt, das für Besucher trotzdem den Lageralltag und das Verbrechen von Gusen I und Gusen II erfahrbar machen soll. Ein Audioweg führt durch das Dorf. Mit Kopfhörern läuft man durch die Einfamilienhaussiedlung, eine Stimme beschreibt den Weg, Zeitzeugen, Opfer, Häftlinge, aber auch Anwohner kommen so zu Wort. Erwünscht fühlt man sich zwischen den großen Grundstücken nicht. Einige Wege wurden gesperrt, die Zäune wirken besonders hoch.

In der Gedenkstätte Loibl Nord wurde vor rund fünf Wochen das Fundament der ehemaligen Waschbaracke zubetoniert – aus Gründen der Konservierung, heißt es. Nichts, kein Stein, deutet darauf hin, dass hier noch Originalmauern vorhanden sind. »Originale sind für uns junge Menschen doch viel beeindruckender. Warum entfernt man sie?« fragte Samantha, eine Teilnehmerin der Gruppe. Schockierte Gesichter und viele Fragen am Ort des ehemaligen Konzentrationslagers Loibl Nord – ein Gedenkort, der erst vor einigen Jahren entstand, auf Druck des Mauthausen-Komitees Kärnten/Koroška. Gerti, unser Guide und Mitglied des Komitees, nahm die Eindrücke der Gruppe auf. Auch für sie ist es unverständlich, was hier geschehen ist. Doch einbezogen wird das Komitee schon seit Jahren nicht, dabei erarbeitet es immer wieder Vorschläge für die Konzeption der Gedenkstätte.

Anna Hackl und Zdravko Haderlap empfingen die jungen Menschen und erzählten ihre Geschichten. Annas Mutter versteckte 1945 zwei geflohene sowjetische Häftlinge des KZ Mauthausen bis zum Ende des Krieges. Zdravkos Vater war selbst im Kärntner Widerstand und ist mit den Geschichten der Partisanen aufgewachsen. Beide wurden von diesen Erfahrungen geprägt – sie arbeiten bis heute mit jungen Menschen und erzählen aus den unterschiedlichsten Perspektiven, dass Widerstand möglich war und heute wieder nötig ist. Anna Hackl bat die Teilnehmer am Ende des Gespräches, dass solche Verbrechen nie wieder stattfinden dürfen und dass wir, die heutigen Generationen, uns täglich für eine solidarische, friedliche und tolerante Gesellschaft einsetzen mögen.

»Es zieht sich durch unsere Reise. Die rechte FPÖ setzt ihr Programm durch«, warnte Gesine Lötzsch. Von deutschen Politikern werde die Entwicklung in Österreich noch bejubelt. »Wir müssen uns dem Rechtsruck in Europa deutlich entgegenstellen«, sagte Lötzsch zum Abschluss. Seit Jahren fährt sie in Länder des antifaschistischen Widerstandes. Auch in Polen, Slowenien, Serbien oder Kroatien zeigen sich vor diesem Hintergrund deutliche Veränderungen in der Erinnerungspolitik und der Gedenkstättenarbeit.

Auf Reisen wie dieser werden Inhalte vermittelt, die im Geschichtsunterricht keinen Platz finden. Aber sie sind für das Verständnis der aktuellen Politik und der Gefahren von heute mehr als wichtig.

Hier der Artikel auf jungewelt.de

Befreiungsfeier 2018

Neben der alltäglichen Arbeit bleibt gerade etwas Zeit, um die Eindrücke der letzte Befreiungsfeier in Mauthausen 2018 zu schildern. Gemeinsam mit Jugendlichen aus Brandenburg, Mitgliedern und Freund*innen des Komitees fuhren wir zu den Befreiungsfeierlichkeiten nach Mauthausen. Im Vorfeld besuchte die Gruppe die Gedenkstätten Hartheim und Gusen.
Zur Befreiungsfeier selbst legten wir Kränze an verschiedenen Denkmälern nieder. Motto der diesjährigen Feierlichkeiten war „Flucht und Heimkehr“. Dieses nahmen wir zum Anlass, gemeinsam mit dem Mauthausenkomitee Stuttgart, einen Fokus auf die Opfer der Sinti und Roma zu legen. Am Denkmal der Mutter sangen wir gemeinsam die Romahymne und gedachten den Opfern, die bis heute verfolgt und diskriminiert werden, an ihrem eigenen Denkmal.

Loibl Nord: ein Brief

Liebe Freundinnen und Freunde,

Gestern haben mich beiliegende, erschreckende Bilder von der KZ-Gedenkstätte am Loiblpass (Loibl Nord) erreicht. Diese Fotos zeigen die Überreste der ehemaligen Waschbaracke (vorheriger Zustand und aktueller Zustand), eine der wenigen baulichen Überreste des KZ des Nordlagers.

Klar, der Betonboden der Waschbaracke war kaputt, aber es war deutlich zu erkennen, dass es sich dabei um den Boden früherer Duschen handelt. Damit diese Relikte einerseits erhalten bleiben, aber andererseits auch für die Vermittlungen genutzt werden können, wäre eine Überdachung als Wetterschutz und eine behutsame Fixierung der Betonteile möglich gewesen.

Wie ihr auf den Fotos aber sehen könnt, wurden sämtliche Relikte der Waschbaracke in neuen Beton eingegossen. Unsere Freunde vom Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška, die seit Jahrzehnten für diese Gedenkstätte arbeiten und ohne deren Einsatz es diesen Ort so gar nicht mehr geben würde, wurden von dieser Aktion nicht informiert, weder vorher noch nachher.

Können wir uns vorstellen, dass in Auschwitz-Birkenau die Reste des gesprengten Krematoriums in einen modernen Beton-Sarkophag eingegossen werden? Undenkbar!

Wie es scheint, hat die Bundesanstalt Memorial Mauthausen jetzt bevorzugt ihren Fokus auf das Betonieren verlegt, nach dem Betonturm („Turm der Schande“) in Mauthausen jetzt die nächste, mit niemanden abgesprochene Aktion.

Es ist in dieser Form ein Skandal, dass ohne jede Information an die anderen Beteiligten mit massivem Beton in KZ-Gedenkstätten eingegriffen wird. Der „Turm der Schande“ in Mauthausen könnte wahrscheinlich abgerissen werden, ohne dass sichtbare Schäden an der historischen Bausubstanz zurückbleiben. Die Reste der Waschbaracke des Loibl-KZ sind wahrscheinlich für immer unter Beton verschwunden.