Kurzgeschichte des KZ-Mauthausen 1938-1945

von Andreas Baumgartner

Das einzige Konzentrationslager auf österreichischem Territorium war nie ein Lager für Österreicher, dennoch sind die Bezüge Österreichs zu diesem Lagerkomplex sehr vielfältig. Mauthausen wurde zu einem Symbol nationalsozialistischer Gewaltherrschaft in Österreich.
Nahezu in der gesamten damaligen Ostmark wurden jedoch auch
Nebenlager von Mauthausen errichtet. Diese Nebenlager mussten, ebenso wie das Hauptlager, mit Lebensmitteln und Baustoffen versorgt werden, auch die Wachmannschaften wurden teilweise aus der örtlichen Bevölkerung rekrutiert. Die Häftlinge von Mauthausen wurden aus den Transportzügen durch die Ortschaften getrieben und waren unübersehbar.
Viele Bauwerke im Umkreis der Lager wurden durch die Zwangsarbeit der Häftlinge errichtet, einige stehen heute noch und werden nach wie vor benützt.

Die Anfänge

Einer der SS-eigenen Wirtschaftsbetriebe für den Betrieb der Konzentrationslager war die Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH (DEST). Neben der Ausbeutung der Häftlinge zur Gewinnmaximierung der SS stand zu diesem Zeitpunkt die Disziplinierung, Unterdrückung und Brechung des politischen Gegners noch im Vordergrund. Es wurde auch nach Steinbrüchen gesucht, welche besonders für die Vernichtung durch Arbeit geeignet schienen. In der Tat war die schwere Steinbrucharbeit mit vollkommen unzulänglichen Werkzeugen für die unterernährten und
geschwächten Häftlinge meist tödlich. Einer dieser Steinbrüche wurde in Mauthausen gefunden und für die Einbindung in ein Konzentrationslager ausgewählt. Die ersten Häftlinge trafen am 8. August 1938 in Mauthausen ein.
Ungefähr 300 Häftlinge aus Dachau wurden für den Lageraufbau nach Mauthausen überstellt. Sie wurden von 80 Angehörigen des Dachauer SSTotenkopfverbandes bewacht, die somit den Grundstock der SSBewachungseinheiten in Mauthausen bildeten.
Das erste Lager bestand aus 4 Baracken, wurde aber schnell vergrößert. Im Jänner 1939 wurde der Ausbau des KZ verfügt, bei dem u.a. die heute noch existierenden Umfassungsmauern und die Wachtürme errichtet wurden. Im Dezember 1938 waren in Mauthausen knapp 1.000 Häftlinge interniert, abzüglich der 13 entlassenen und der 34 verstorbenen Häftlinge.
Bereits am 18. August 1938 verübt ein Häftling „Selbstmord“, am 15. November 1938 wurde der erste Häftling auf der Flucht erschossen. Beide Todesursachen sind in der Regel Tarnbezeichnungen für die Ermordungdieser Häftlinge.

Vernichtung durch Arbeit

Das Konzentrationslager Mauthausen wandelte sich in den nächsten Jahren zu einem der gefürchtetsten Lager im gesamten KZ System. Dazu trug sicherlich auch die Einstufung des KZ Mauthausen als einziges Lager der Stufe III bei. Am 1. Jänner 1941 verfügte Reinhard Heydrich als Chef der Sicherheitspolizei und des SD die offizielle Einteilung der Konzentrationslager in vier verschiedene Lagerstufen: Mit der Lagerstufe I und Ia sollten bedingt besserungsfähige Schutzhäftlinge und prominente Häftlinge erfasst werden. In diese Klasse fielen die KZ Dachau, Sachsenhausen und das Stammlager Auschwitz.
In KZ der Lagerstufe II sollten schwer belastete, jedoch erziehungs- und besserungsfähige Schutzhäftlinge interniert werden. Die KZ Buchenwald, Flossenbürg, Neuengamme und Auschwitz-Birkenau fielen in diese Kategorie.
Als einziges Lager der Stufe III wurde in diesem Erlass das KZ Mauthausen mit seinem Nebenlager Gusen angeführt. In diese Lager sollten vor allem schwerbelastete, unverbesserliche (…) kaum noch erziehbare Schutzhäftlinge deportiert werden, oftmals auch als Strafverschärfung für Häftlinge anderer KZ.
Die Deportation nach Mauthausen bedeutete für viele Häftlinge die Ankunft in einem Todeslager, da ihr Häftlingsakt den Vermerk RU (=Rückkehr unerwünscht) trug. Häftlinge dieser Kategorie waren de facto Todeskandidaten, deren Arbeitskraft noch bis zur Erschöpfung ausgenützt werden sollte.
In Mauthausen gab es verschiedene Häftlingsgruppen, die unterschiedlich behandelt wurden. Besonders berüchtigt war die Strafkompanie des Steinbruchs, die über die gefürchtete Todesstiege solange schwere Granitbrocken auf improvisierten Tragegestellen schleppen musste, bis die Häftlinge das Gleichgewicht verloren und mitsamt ihren Lasten die Steintreppe wieder nach unten stürzten, wobei oft viele andere Häftlinge mitgerissen wurden.
Aber auch für fast alle anderen Häftlinge bestanden in dieser Phase nur wenige Überlebenschancen. Verantwortlich dafür war, neben den
Misshandlungen, auch die ständige Unterversorgung an Lebensmitteln, ärztlicher Betreuung und grundlegenden Hygienemaßnahmen. Dadurch konnten Kosten gespart und die Vernichtung der Häftlinge wurde dabei in Kauf genommen. Zusätzlich zur unmenschlichen Behandlung und zur Schwerstarbeit führte die vollkommene Unterversorgung mit allen lebensnotwendigen Gütern zum psychischen Zusammenbruch vieler
Häftlinge, die sich jeglicher Menschenwürde beraubt sahen. Diese Vernichtungspolitik wurde in Mauthausen vor allem zu Beginn auf Juden und Zigeuner angewandt. Besonders jüdische Häftlinge hatten in Mauthausen eine durchschnittliche Lebensdauer von wenigen Wochen.
Für Angehörige bestimmter Nationen und Häftlingskategorien war Mauthausen bis zum Spätsommer 1943 nahezu ausnahmslos ein Todeslager. Davon waren besonders die bereits genannten Juden und Zigeuner betroffen, aber auch Polen und Russen (hier vor allem Kriegsgefangene), Tschechen und Republikanische Spanier sowie andere Häftlingsgruppen. Häftlinge, die nicht den Bedingungen des Lagers oder den Exekutionen zum Opfer fielen, wurden bei Arbeitsunfähigkeit von SSÄrzten im Revier mit Injektionen (Phenol, Benzin oder Luft) ermordet.
Im Herbst 1941 wurde mit dem Bau einer Gaskammer begonnen, die für die Ermordung kranker und arbeitsunfähiger Häftlinge benutzt, aber auch für groß angelegte Exekutionen verwendet wurde. Zusätzlich wurde ab dem Frühjahr 1942 ein Gaswagen für die Ermordung zahlreicher Häftlinge benutzt, die auf der Fahrt von Mauthausen nach Gusen (1940 gegründetes Nebenlager des KZ Mauthausen) im hermetisch abgeschlossenen Aufbau des Lastwagens mit eingeleitetem Kohlenmonoxid erstickt wurden. Aber auch in der Euthanasieanstalt Schloss Hartheim wurden nach Beendigung der offiziellen Euthanasie tausende Häftlinge in der Gaskammer des Schlosses ermordet (die Ermordung behinderter Menschen wurde aufgrund zahlreicher Proteste im Sommer 1941 eingestellt. Trotzdem ging die Tötung lebensunwerten Lebens, also Behinderter, Erbkranker und zunehmend auch pflegebedürftiger alter Menschen, die in den Altersheimen Oberösterreichs selektiert wurden, in den Spitälern bis zum Kriegsende weiter.).
Erst mit dem Funktionswandel der KZ zu Reservoiren an Arbeitssklaven für die Rüstungsindustrie wurde die Vernichtungspolitik der SS etwas geändert. Bestimmte, für die Rüstungsindustrie notwendige, Häftlinge wurden in eigens dafür angelegten Nebenlagern interniert und zumindest solange am Leben gelassen, bis ihre Arbeitskraft erschöpft war. Für viele der Konzentrationslager galt dieser Umschwung in der Behandlung der Häftlinge ungefähr ab dem Frühjahr 1942.
In Mauthausen kam diese Änderung erst im Spätsommer 1943 zum Tragen, bis dahin wurden abgesehen von einem Nebenlager in Steyr (das Nebenlager Steyr wurde am 14.3.1942 gegründet) nur ca. 8% der Häftlinge in der Rüstungsindustrie eingesetzt. Der große Rest blieb in den Steinbrüchen von Mauthausen und Gusen und allenfalls in den Werkstätten des Konzentrationslagers und musste weiterhin für die SS-eigene DEST arbeiten.
Der Häftlingsstand im KZ Mauthausen betrug Ende 1943 ungefähr 25.000 Häftlinge, in dieser Zahl sind die Verstorbenen, Ermordeten und Überstellten nicht enthalten. Mit Beginn des Einsatzes der Häftlinge in der Rüstungsindustrie konnte also auf ein großes Potential an Arbeitskräften zurückgegriffen werden, das für die Unternehmer und die SS hohe Gewinne versprach, da für die Versorgung dieser Häftlinge nur minimal gesorgt werden musste.

Rüstungsindustrie und Häftlingsarbeit
Die fortschreitende Kriegsdauer und die immer größer werdenden Verluste der deutschen Wehrmacht an Menschen und Material bedingten einerseits die Einziehung bis dahin noch freigestellter Männer und andererseits dasAnwachsen der Rüstungsbemühungen. Tausende Frauen wurden dienstverpflichtet und Millionen an Zwangsarbeitern zur Rüstungsarbeit nach Deutschland deportiert. Doch alle Bemühungen, die Verluste auch nur annähernd auszugleichen, scheiterten. Daher wurden ab 1942 zunehmend KZ-Häftlinge in der Rüstungsindustrie eingesetzt, was für einen Teil der Häftlinge zumindest einen Aufschub ihrer Ermordung bedeutete. Aber trotz der Bemühungen, KZ-Häftlinge in der Rüstungsindustrie einzusetzen, gingen die Massenvergasungen in Auschwitz und anderen Vernichtungslagern weiter und auch in allen anderen Konzentrationslagern wurden tausende Häftlinge weiterhin ermordet. Kranke und arbeitsunfähige Häftlinge wurden weiterhin nahezu ohne Ausnahme getötet oder dem sicheren Tod überlassen. Viele Häftlinge glaubten, dass sie der Arbeitseinsatz vor der Vernichtung retten könnte und versuchten sich im Arbeitsprozess unentbehrlich zu machen. Doch auch sie starben im an den Giftspritzen der SS-Ärzte, in den Gaskammern oder durch Exekutionskommandos.
Zur Durchführung des Arbeitseinsatzes der Häftlinge in der Rüstungsindustrie wurden zuerst im Umkreis des KZ Mauthausen und später in ganz Österreich (ab Salzburg ostwärts) Nebenlager des Stammlagers gegründet. Diese Nebenlager waren nach kriegswirtschaftlichen, ressourcen- und verkehrstechnischen Gesichtspunkten angelegt. Die geografische Lage in den Alpen oder im Alpenvorland begünstigte die (luftangriffsichere) Verlagerung der Produktion in Stollen und Bergwerke, die entweder bereits bestanden oder von den Häftlingen unter unvorstellbaren Bedingungen in das Gestein vorgetrieben wurden.
Das erste Nebenlager des KZ Mauthausen wurde im nur fünf Kilometer entfernten Langenstein (das Nebenlager hieß Gusen) im Mai 1940 eröffnet.
Gusen hatte lange Zeit (bis 23. Jänner 1944) eine Sonderstellung im gesamten Mauthausenkomplex, hier wurden eigene Häftlingsnummern vergeben, eigene Registraturen geführt und viele andere Faktoren machten das Nebenlager Gusen fast zu einem eigenständigen Konzentrationslager.
Gusen war ebenso wie Mauthausen von Beginn an als Vernichtungsstätte konzipiert und verfügte ebenfalls über Steinbrüche, in denen die Häftlinge zu tausenden zu Tode kamen. Die Nutzung des Lagers Gusen für die Zwecke der Rüstungsindustrie begann erst relativ spät (z.B. im Nebenlager Gusen II im März 1944), der Hauptzweck dieses Lagers war immer noch die Ausbeutung der Häftlinge für die wirtschaftlichen Zwecke der SS.
Daneben entstanden ab dem Frühjahr 1943 unzählige Nebenlager an Standorten der Rüstungsindustrie. Die größten Lager, die zeitweise sogar den Häftlingsstand des Stammlagers übertrafen, waren Gusen, Ebensee, Melk, Linz und eine Vielzahl von Nebenlagern im Wiener Raum. Insgesamt sind bis heute 49 Standorte bekannt, an denen Nebenlager des KZ Mauthausen bestanden. Daneben muss noch von einer unbekannten Zahl an nur kurzfristig existierenden Außenkommandos ausgegangen werden, die für unterschiedlichste Einsätze in der Industrie, aber auch für Aufräumungsarbeiten nach Bombenangriffen herangezogen wurden.
Das Stammlager Mauthausen wandelte sich in dieser Periode zum Verwaltungs- und Verteilerzentrum der Häftlinge, die in den diversen Betrieben zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden. Gleichzeitig wurden die arbeitsunfähigen Häftlinge aus den Nebenlagern ins Stammlager transportiert und dort ermordet. Mauthausen wurde also zum Todeslager für alle kranken Häftlinge aus den kleineren Nebenlagern. Für die meisten Nebenlager bestanden Vorgaben vom SS-Standortarzt des Stammlagers, wie viele kranke Häftlinge im Nebenlager sein durften. Bei einer Überschreitung der Vorgabe wurden die Häftlinge entweder bereits im Nebenlager ermordet (so z.B. im KZ Loiblpaß) oder zur Ermordung nach Mauthausen transportiert. In den großen Nebenlagern wurden die Häftlinge z.T. gleich dort ermordet und im lagereigenen Krematorium verbrannt.

Chaos und Massensterben am Ende

Die Rüstungsanstrengungen und der vermehrte Häftlingseinsatz führten zu einem enormen Anwachsen der Belegstärke des KZ Mauthausen. Betrug der Häftlingsstand Ende 1943 ungefähr 25.000 Menschen, so wuchs er bis Ende 1944 auf über 74.000 Häftlinge an, um Anfang März 1945 den Höchststand von über 84.000 Insassen zu erreichen. Insgesamt wird die Zahl der Häftlinge in Mauthausen auf über 200.000 geschätzt, eine endgültige Zahl wird jedoch nie vorliegen, da unzählige Häftlinge ohne Registrierung nach Mauthausen deportiert und dort ermordet wurden. Unter diesen 200.000 Häftlingen waren auch über 8.000 Frauen, die im Männerlager Mauthausen interniert worden waren.
Ab Herbst 1944 wurden die Häftlinge nicht mehr ausschließlich zum Einsatz in der Rüstungsindustrie nach Mauthausen und seine Nebenlager transportiert, sondern auch vermehrt im Zuge der Evakuierungen der Lager im Osten. Viele dieser Häftlinge wurden jedoch noch auf die Nebenlager aufgeteilt und auch zur Zwangsarbeit eingesetzt. Dies hatte zur Folge, dass Mauthausen immer mehr vollkommen überfüllt wurde, die ohnehin sehr schlechten Lebensbedingungen wandelten sich in katastrophales Chaos.
Immer mehr Züge mit ausgehungerten Häftlingen, die vor den strapaziösen Transporten oft noch wochenlange Fußmärsche zu den intakten Eisenbahnlinien absolvieren mussten, trafen im Bahnhof Mauthausen ein. In vielen Waggons befanden sich oft mehr tote als lebende Häftlinge, ein Teil der Neuzugänge verstarb während der schikanösen Aufnahmeprozedur. Die neu angekommenen Häftlinge mussten sich an der so genannten Klagemauer stunden- und oft tagelang aufstellen und warten, bis ihre Aufnahmeformalitäten erledigt waren. Dabei kam es regelmäßig zu Misshandlungen und Morden.
Die Überbelegung des Lagers führte im Herbst 1944 zur Errichtung eines Zeltlagers, in das über 10.000 Menschen gepfercht wurden. Die große Anzahl an kranken und ausgehungerten Häftlingen führte dazu, dass diese im Sanitätslager, unterhalb des Hauptlagers neben dem ehemaligen SS-Sportplatz gelegen, nahezu sich selbst überlassen wurden und zu tausende an Entkräftung und Epidemien verstarben. Die Tötungseinrichtungen des Konzentrationslagers Mauthausen blieben weiterhin in Betrieb, in den Gaskammer wurden bis 28. April 1945 Menschen ermordet. Die Zahl der Toten wuchs derartig schnell an, dass die Krematorien des Lagers nicht mehr mit der Verbrennung der Leichen nachkamen, wenn auch versucht wurde, bis zu acht Leichen in einem Verbrennungsvorgang einzuäschern.
Um zumindest einige der tausenden Toten aus dem Lager entfernen zu können, wurde unweit des Lagers ein Massengrab ausgehoben, wo knapp 10.000 Tote beerdigt wurden. Dennoch war das Konzentrationslager Mauthausen, dabei besonders das Sanitätslager, mit hunderten Leichen übersät, die zu großen Haufen geschlichtet wurden. In nahezu allen Häftlingsberichten und -erinnerungen wird der Schock über die überall in derartig großer Zahl herumliegenden Toten beschrieben.

Die Befreiung

Die Befreiung des KZ Mauthausen war die letzte Befreiungsaktion der alliierten Soldaten. Nachdem sich die SS Bewachungseinheiten Anfang Mai sukzessive aus dem Lager entfernt (kurz vor Abzug der SS wurden noch die meisten Geheimnisträger (Krematoriumshäftlinge u.ä.) als Mitwisser der Massenmorde exekutiert. Die letzte Erschießung erfolgte am 3. Mai 1945) und die Bewachung des Schutzhaftlagers z.T. Einheiten der Wiener Feuerschutzpolizei (= Feuerwehr) überantwortet hatten, formierten sich unter den Häftlingen Komitees, welche die Ankunft der Befreier vorbereiten sollten. Diese Aktionen waren immer noch sehr gefährlich, da niemand genau wusste, wo sich die Lager-SS befand und ob mit ihrer Rückkehr zu rechnen sei. Die Zwangsarbeit in den Steinbrüchen und in den Betrieben wurde sofort eingestellt, lediglich einige Arbeitskommandos, die für die Aufrechterhaltung des Lagerbetriebes notwendig waren, blieben an ihren Arbeitsstätten (z.B. in der Küche).
Am Morgen des 5. Mai 1945 wurde die Gemeinde Mauthausen von amerikanischen Truppen besetzt und der Großteil der SS-Männer gefangen genommen. Ungefähr zur Mittagszeit desselben Tages wurden vom Delegierten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Louis Haefliger, der sich seit wenigen Tagen in Mauthausen aufhielt, zwei amerikanische Panzerspähwagen ins Lager geleitet. Die Feuerschutzpolizisten wurden entwaffnet und aus dem Lager weggeschickt, die Lagerverwaltung dem Häftlingskomitee übergeben. Trotz Protesten der Häftlinge fuhren die amerikanischen Soldaten nach wenigen Stunden wieder ab, was zur Bewaffnung einiger Häftlingsgruppen führte, die immer noch die Rückkehr der SS fürchteten. Diese bewaffneten Häftlinge übernahmen die Sicherung des Lagers, wobei es noch zu Feuergefechten mit versprengten SS Truppen kam, bei denen ein spanischer Häftling getötet wurde. Am 7. Mai 1945 wurde das Lager von der 11. Panzerdivision der 3. US Armee unter dem Kommando des Colonel Seibel endgültig übernommen und somit auch endgültig befreit.
Zu Beginn kam es in Mauthausen und allen Nebenlagern zu Plünderungen von Lebensmitteln und Kleidern, bis die Amerikaner die Versorgung der entkräfteten Häftlinge übernahmen. Sofort wurden Lazarette aufgebaut, um die über 20.000 schwerkranken Häftlinge notdürftig medizinisch versorgen zu können und um die Ernährung sicherzustellen. Trotz der Bemühungen der amerikanischen Sanitätseinheiten verstarben nach der Befreiung noch tausende Häftlinge an den Folgen der meist langjährigen Lagerhaft.
Insgesamt wurden in Mauthausen über 100.000 Menschen ermordet, sei es durch Exekution oder durch planmäßige Minderversorgung bei gleichzeitiger Schwerstarbeit oder sei es durch gezielte Vernichtungsmaßnahmen an bestimmten Häftlingsgruppen.

Epilog

Die befreiten Häftlinge in Mauthausen begannen sich nach und nach zu erholen. Obwohl immer noch viele Menschen starben, konnten tausende bereits an ihre Heimkehr denken. Ende Mai verließen die ersten Heimkehrertransporte Mauthausen auf ihrem Weg in die Tschechoslowakei.
Auf Lastwägen, zu Fuß und mit der Eisenbahn, sofern sie wieder fuhr, wurden die befreiten Häftlinge heimwärts gebracht. Dort angekommen, mussten sie oft die schreckliche Entdeckung machen, dass sie als einzige aus ihrer Familie überlebt hatten. Viele der Heimkehrer fanden ihre Wohnung zerstört vor, in vielen Wohnungen waren noch immer „Ausgebombte“ einquartiert.
Juden, die ohnehin nur sehr zaghaft in ihre Heimatorte zurückkehren
wollten (zu tief saß noch die Angst aus der Verfolgungszeit), trafen oft die Ariseure in ihrer alten Wohnung an. Für diese Frauen und Männer begann ein neuer Spießrutenlauf: antisemitische Vorurteile, Demütigungen und z.B. in Polen pogromartige Ausschreitungen veranlassten viele zur Emigration.
Diejenigen, die in ihre alte Umgebung zurückkehrten, machten sehr bald die Erfahrung, dass ihre Erlebnisse aus den Konzentrationslagern niemanden interessierten. Der Wiederaufbau und die materielle Grundversorgung waren den meisten wichtiger, vor allem, da sich somit niemand mit seiner eigenen Rolle während des Dritten Reiches auseinandersetzen musste. In Österreich verschanzten sich die meisten Menschen hinter der „Opferrolle“ Österreichs, wonach Österreich das erste Opfer des Nationalsozialismus gewesen sein sollte. So konnte jede individuelle Schuld (von Kollektivschuld war ohnehin bald nicht mehr die Rede) hinter einer kollektiven Opferrolle versteckt werden. Viele der heimkehrenden Häftlinge berichteten über das völlige Unverständnis gegenüber ihren Erzählungen und die Ignoranz, die bald in massive Ablehnung umschlug.
Noch schwerer hatten es die wenigen zurückkehrenden Juden. Für sie bot sich keine der österreichischen Parteien als Plattform an. Im Gegenteil: Die antisemitischen Tendenzen in allen Parteien des Landes wurden weitergeführt. Das Buhlen der Parteien um die Stimmen der ehemaligen Nationalsozialisten, die erstmals 1949 wieder zur Nationalratswahl zugelassen wurden, ließ für die Opfer des Faschismus wenig Platz. Die als asozial verfolgten Menschen, die Zigeuner und die Homosexuellen wurden großteils weiterhin diskriminiert und teilweise sogar interniert gehalten (als Fürsorgezöglinge), als ob es keine Befreiung gegeben hätte. Viele der Häftlinge trugen bleibende körperliche Schäden davon.
Verletzungen und Verstümmelungen durch Misshandlungen und die jahrelange schlechte Ernährung und Zwangsarbeit unter den bekannten Bedingungen machten viele der Opfer zu Invaliden. Die Erniedrigungen, welche die ehemaligen Häftlinge erfahren mussten, als sie sich um eine Invalidenrente (es ging noch gar nicht um Opferrenten) bemühten, waren ein neuerlicher Schock.
Immer wieder wurden ehemalige Häftlinge mit den Beamten und Ärzten konfrontiert, die wenige Jahre zuvor ihre Verhaftung mit betrieben hatten.
Die psychischen Probleme der überlebten KZ-Haft wurden bei vielen befreiten Häftlingen derart massiv, dass sie versuchten, alle Erfahrungen aus dem KZ zu verdrängen. Daher wollten und konnten viele der ehemaligen Häftlinge nicht vor den Untersuchungskommissionen aussagen, viele finden erst jetzt die Kraft, um eine Haftbestätigung anzusuchen.
Fast 60 Jahre nach der Befreiung des Lagers wird nun versucht, die Geschichte des Hauptlagers, der Nebenlager, aber auch bisher wenig
beachteter Häftlingsgruppen genau aufzuarbeiten. Erst seit einigen Jahren versuchen lokale Initiativen des MKÖ, Gedenkstätten am Ort der Nebenlager zu errichten und die historischen Bezüge zu dokumentieren.
Bislang waren es vor allem die ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen, die gegen das Vergessen und für eine Verankerung dieses Kapitels der österreichischen Zeitgeschichte im kollektiven Geschichtsbewusstsein der österreichischen Bevölkerung arbeiteten. Nun ist es an der jüngeren Generation, den Zeitzeugen zuzuhören, von ihnen zu lernen und diesen Auftrag zu übernehmen.

Dieser Text basiert auf umgearbeiteten Kapiteln des Buches von Andreas BAUMGARTNER: Die vergessenen Frauen von Mauthausen, Die weiblichen Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen und ihre Geschichte, Wien 1997.

Symposium 100 Jahre Roman Rubinstein

25. November 2017
11-15 Uhr
Rosa-Luxemburg-Stiftung
Franz-Mehring-Platz 1, 10243

Roman Rubinstein sagte in einem Interview von 1997, dass ein Leben dann gelebt wurde, wenn sich darin für etwas eingesetzt wurde. Das Wichtigste sei, dass man am Ende in einen Spiegel gucken und sagen könne, das sei man selbst. Der Widerstand gegen bestehende Verhältnisse hat unterschiedliche Formen und Anlässe. Der 100. Geburtstag des Widerstandskämpfers Roman Rubinstein ist für uns Anlass über Formen des Widerstandes zu sprechen und antifaschistische Biographien auf ihre Bedeutung für politisches Handeln heute hin zu befragen.

Dazu veranstalten das Deutsche Mauthausen Komitee Ost gemeinsam mit der Rosa Luxemburg Stiftung am 25.November 2017 im Salon der Rosa Luxemburg Stiftung ein Symposium zum Thema „Formen des Widerstandes/ Bedeutung antifaschistischer Biographien“.

Am 8.8.2017 wäre Roman Rubinstein 100 Jahre alt geworden.

Roman war in Berlin geboren, wo er auch seinen politischen Kampf begann. Sein Onkel mütterlicherseits, Alexander Lekich, war ein Kampfgefährte Lenins und hatte ihn beeindruckt. Seine Ideen hatten Roman Fragen zu sozialen Missständen stellen lassen, welche in eine linksliberale Grundhaltung mündeten. Diese führte ihn Anfang der 1930er Jahre in den KJVD und damit in den (Straßen-)Kampf gegen die aufstrebende NSDAP und deren SA. Als die Nazis 1933 an die Macht kamen, wusste er nichts von der folgenden Brutalität der Machtergreifung, fand in seiner Gruppe ein Mädchen toll, wollte nicht als Feigling gelten und blieb also engagiert. In seiner Schule erklärten er und MitschülerInnen ihrem jüdischen Lehrer ihre Solidarität. Da er noch jung und unbekannt war, wurde er vom KJVD als Bote illegaler Zeitungen, Plakate oder Flugblätter eingesetzt. Gleichzeit beteiligte er sich in seinem Kiez Charlottenburg rund um den Kudamm an Flugblattaktionen. Vom Dach des KaDeWe aus ließen er und seine FreundInnen per „Weddinger Wippe“ Flugblätter mit antifaschistischen Parolen über die kauflustige Menge flattern. Für ihn war es ein Abenteuer.

1933 wurde er festgenommen. Da ihm jedoch nichts nachzuweisen war und sein Vater sich eingesetzt hatte, wurde er kurz darauf wieder frei gelassen. Nachdem die für ihn Verantwortlichen im KJVD ermordet worden waren, wurde ihm nahegelegt zu fliehen. Er stamme aus einer jüdischen Familie, er würde nun ebenfalls gesucht und ein weiteres Mal werde er nicht frei kommen. Roman hatte das Privileg für kurze Zeit bereits in Brüssel und Paris gelebt zu haben und dort zur Schule gegangen zu sein. So sprach er ein recht flüssiges Französisch. Längere geschäftliche Unternehmungen seines Vaters hatten ihm das ermöglicht. Zudem lebte die Schwester des Vaters, Luba, in Paris. Zu ihr floh er 1934.

Da es in Frankreich keinen KJVD gab, trat er in die KPD ein. Er blieb politisch aktiv. Er baute im Rahmen seiner Tätigkeit im von Henry Barbuse gegründeten Friedensbüro eine deutsche Exilgruppe auf, die sich das Leben im Paris der 1930er Jahre aufregend gestaltete. Unter anderem organisierten sie ein Exiltheater, zu dem Bertolt Brecht kam und dort mit Helene Weigel „Die Waffen der Frau Carrar“ aufführten. Auch Anna Seghers war zu Gast. Dem 7. Weltkongress der Komintern folgend gründete er mit anderen linken Jugendbewegungen 1935 die FDJ. Zu dieser „Aufregung“ gehörten aber auch lebensgefährliche Kurierfahrten Romans ins Saarland. Er war in den Abstimmungskampf einbezogen und überbrachte der dortigen kommunistischen Bewegung Propagandamaterial. Einige Zeit später schlug er sich auf eigene Faust nach Spanien durch. Er wurde nach kurzem Kampfeinsatz von ’seinen Leuten‘ festgesetzt und sollte aufgrund der Missachtung von Parteibefehlen zum Tode verurteilt werden. Dank der Fürsprache Artur Beckers kam er mit einem Parteiverfahren davon.

In Paris konnte er sich ungehindert bewegen. Er hatte einen polnischen Ausweis. Der Beginn des Krieges 1939 bedeutet für ihn daher die Einberufung in die polnische Armee. Natürlich dachte er, es ginge für ihn in den Krieg gegen Nazideutschland. Tatsächlich sollte seine Einheit Finnland im Kampf gegen die Sowjetunion unterstützen. Er konnte desertieren, lebte von nun aber ‚illegal‘ in Paris.

Als die Wehrmacht 1940 in Paris einmarschierte, blieb er unter Wenigen zurück und setzte mit seinen FreundInnen der Besatzungsmacht entgegen, was er konnte. Er verhalf zur Flucht, verklebte Zettel mit antifaschistischen Parolen, wartete stunden- und tagelang in einem Café auf Geflüchtete aus Deutschland, organisierte Unterkünfte und überlebenswichtige Papiere, rekrutierte Wehrmachtssoldaten für die Résistance, transportierte und deponierte Sprengstoff, überfiel zur Finanzierung des Widerstands Banken, spionierte die U-Boot-Bunker der Deutschen Marine an der französischen Atlantikküste aus und berichtet davon den Alliierten in London, lernte dabei Charles de Gaulle kennen, er brachte, inkognito im Dienste eines SS-Offiziers stehend, Zugpläne über Besuche führender Nazigrößen wie Hermann Göring in Erfahrung, beteiligte sich dann an den Planungen zu einem gescheiterten Anschlag auf den Zug, arbeitete zum Unterhalt in einer deutschen Rüstungsfirma, ebenfalls inkognito.

Als man 1943 bei ihm eine Pistole fand, flohen er und sein guter Freund Peter Gingold aus diesem Betrieb, nicht ohne eine Kasse mit 200.000 RM darin zu entwenden. Der SD kam Roman auf die Spur, nahm ihn fest, folterte ihn und deportierte ihn erst nach Compiegne und dann im Mai 1943 in das Konzentrationslager Mauthausen.

1942 hatte er seine Eltern, sie waren auch nach Paris geflohen, vor den Massendeportationen der Juden in Paris gewarnt. Da sie aber zum katholischen Glauben konvertiert waren, erwarteten sie nicht, als ‚Juden‘ deportiert zu werden. Als es an der Tür ihres Appartements klopfte, flüchtete Roman über die Treppe zum Hof und entkam, da er einem französischen Gendarmeristen die Pistole vor die Brust hielt. Erst 1972 erfuhr er, wie es seinen Eltern ergangen war. Wie er waren sie über Compiegne dann aber nach Auschwitz deportiert worden. Seine Mutter hatte noch ‚eine Nummer bekommen‘, seinen Vater hatten sie sofort ‚ins Gas geschickt‘.

Im Exil hatte er einen weiteren Schicksalsschlag erlebt. Er erfuhr vom Freitod seines Onkels Alexander. Er hatte sich aufgrund des stalinistischen Terrors das Leben genommen, was Roman aber erst später von seiner Tante Luba mitgeteilt bekam.

In Mauthausen saß er als Franzose ein, nicht als Jude. Er nahm auch hier am illegalen Widerstand teil und konnte aufgrund seiner Sprachkenntnisse Kontakte zu Russisch sprechenden Gefangenen herstellen. Da er Deutsch, Russisch, Französisch, Polnisch, ein bisschen Spanisch sprach, wurde er von der schweren und tödlichen Arbeit im Steinbruch weitgehend befreit und zu Dolmetscheraufgaben herangezogen. Seine weitreichenden Beziehungen und Kontakte im Lager erlaubten es ihm, ‚dem Tod mehrfach von der Schippe zu springen‘. Schwer krank wurden ihm in Quarantäne liegend Extrarationen zuteil. Als er mit einer Giftspritze getötet werden sollte, zog ihn ein spanischer Widerstandskämpfer, ihn erkennend, auf die Seite derjenigen, die nicht ermordet werden sollten. Ein weiteres Mal zum Tode verurteilt, tauschte Franz Dahlem, in der Schreibstube verantwortlich, seine Identität mit der eines Belgiers in der Nachbarzelle und setzte Roman auf einen Transport nach Gusen I. Der Belgier hatte zuvor Selbstmord begangen.

In Gusen wurde er im Mai 1945 befreit. Er kehrte nach Paris zurück. Seine 1943 ohne Nachricht zurück gebliebene Freundin nahm ihn auf und sorgte dafür, dass er wieder gesund wurde. Sie war Krankenschwester. Roman verließ sie, als sie ihn aufforderte, nicht dem Ruf der Partei ins Saarland zu folgen und endgültig Schluss mit der Politik zu machen. Die gemeinsame Tochter blieb bei ihr.

Im Saarland setzte er seinen Kampf für die kommunistische Bewegung fort. Er wurde von den französischen Alliierten festgenommen, da er verbotenerweise für die KPD warb. Wieder freigelassen ging er nach Berlin. Dort wurde er sesshaft. 1946 lernte er seine spätere Frau Ilse kennen und wurde 1954 Vater einer Tochter und 1956 Vater eines Sohnes.

Beruflich wollte er in die ‚operative Arbeit‘, wurde 1947 aber Journalist beim Funktionärsorgan „Wille und Weg“. Erst später wurde seinem Wunsch in die operative Arbeit zurückzukehren entsprochen. Er wurde Leiter der französischen Redaktion des Radio International Berlin (RBI).

1963 erhielt er als erster DDR-Bürger für seinen Widerstandskampf eine hohe militärische Auszeichnung Frankreichs.

1977 ging er in Rente. 1981 wurde er Großvater.

Die politische Wende traf ihn hart. Er war nicht nur mit dem Scheitern seiner politischen Idee, für die er ein Leben lang gekämpft hatte, sondern auch mit neonazistischen Anfeindungen gegen ihn und seine Familie konfrontiert.

1997 stellten Ärzte eine schwere Nierenschädigung fest, die, wie auch seine zunehmende Schwerhörigkeit, von den Misshandlungen der Haft des SD 1943 herrührten. Die letzten Lebensjahre war er gezwungen, sich täglich einer Dialyse zu unterziehen. Am 27. Juni 1999 starb Roman Rubinstein im Krankenhaus.

Fahrt zur Befreiungsfeier 2017

Wie in den vergangenen Jahren ist das Thema der kommenden Befreiungsfeier in Mauthausen am 07.05.2017 politisch motiviert. Vor allem in Europa erstarken extrem rechte Kräfte. Das Fatale daran ist, dass diese Einstellungen nicht von einer gesellschaftlichen Minderheit formuliert wird. Vielmehr mobilisieren sich „ganz normale“ Menschen zur Verteidigung ihres Vaterlandes gegenüber geflüchteten Menschen. Regierungen verweigern Menschen aus Kriegsgebieten die Einreise aus Angst vor Überfremdung und Gefährdung der eigenen Kultur. Der Nationalismus in den Köpfen der Menschen gehört auf die politische Agenda und ist daher das Motto der diesjährigen Befreiungsfeier.

Wir werden vom 03.-08.05.2017 nach Mauthausen fahren. Dort haben wir im Hotel Waldheimat bereits Zimmer reserviert. Solltet ihr Interesse haben, meldet euch bitte unter kontakt@dmko.de.

Das Programm zur Fahrt mit den aktuellsten Änderungen findet ihr hier: dmko.piratenpad.de/befreiungsfeier-2017

Filmvorführung und Gespräch mit dem Regisseur Klaus Stanjek

Klänge des Verschweigens – Ein detektivisches Dokumentarprojekt über Wilhelm Heckmann

Freitag, 24. Februar 2017,

19 Uhr 14473 Potsdam

Friedrich-Engels-Straße 22

freiLand, Cafe Haus2

Am Beispiel der Biographie des Sängers und Pianisten Wilhelm Heckmann thematisiert der Film die Musik der 20er und 30er Jahre, Musik im Konzentrationslager, Homosexuellenverfolgung, NS-Verbrechen und Verdrängung der Nazi-Vergangenheit. Anschließend wird ein Gespräch mit dem Regisseur Klaus Stanjek stattfinden.

Weitere Informationen zum Film gibt es hier: http://www.klaenge-des-verschweigens.de/

Gemeinsame Veranstaltung mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem Libertalia e.V.

180 Jahre Lebenserfahrung – Geburtstage von Friedrich Schmid und Ludwig Einicke

Im Juni 2016 wurden Ludwig Einicke, Ehrenvorsitzender des Deutschen Mauthausen Komitee und Friedrich Schmid, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus zusammen 180 Jahre alt. Ludwig feierte am 23.6. seinen 80. und „Fritz“ am 28.6. seinen 100. Geburtstag. Diesen Tage haben wir am 23. Juli 2016 gemeinsam gefeiert.

An diesem schönen Sommertag sind 35 Freundinnen und Freunde von Ludwig und Fritz in die Rosa Luxemburg Stiftung gekommen. Dabei waren langjährige Gefährten aus Österreich wie der ehemalige Vorsitzende der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer Peter Weidner und der Klagenfurter Professor Peter Gstettner. Angereist waren auch Mitglieder des DMKO aus der gesamten Republik. Sie brachten neben Geschenken auch Grußbotschaften und Anekdoten mit. Eva Mendl, ehemalige Vorsitzende des DMKO hatte eine Tonaufnahme von Fritz auf der seine Rezitationskünste im schönsten Berliner Dialekt zum Besten gegeben wurden.

Es war eine gelungene Veranstaltung, auf der die menschliche und politische Leistung von Ludwig und Fritz sehr gewürdigt wurde.

Gedenkveranstaltung zum 10. Todestag Otto Wiesners

Gemeinsam mit der Rosa Luxemburg Stiftung organisierte das Deutsche Mauthausen Komitee Ost am 13.2.2016 anlässlich des 10. Todestages von Otto Wiesner eine Gedenkveranstaltung unter dem Titel „Geschichte für die Zukunft“. Neben Reden und kulturellen Beiträgen stand die u.a. von Otto noch zu Lebzeiten iniitierte Biographien- und Erinnerungsarbeit im Zentrum. In insgesamt acht Stationen stellten SchülerInnen, LehrerInnen, HistorikerInnen und PädagogInnen die teilweise gemeinsame Arbeit des DMKO und der RLS vor.

Befreiungsfahrt 2016 – nur in kleinem Kreis

Anlässlich des 71. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen findet am 15.05.2016 die Befreiungsfeier im ehemaligen Häftlingslager statt. In diesem Jahr wird nur eine kleine Delegation des DMKO e.V. nach Mauthausen fahren, um dort an den internationalen Feiern teilzunehmen. Leider hatten wir, wie nach dem 70 Jahrestag der Befreiung zu erwarten war, sehr wenige Anmeldungen.
In diesem Jahr steht die Feier unter dem Motto „Internationale Solidarität“. Damit soll die Verbundenheit mit allen auf der Flucht und in Kriegen und Konflikten befindlichen Menschen bekundet werden.

Nähere Informationen erhalten Sie unter: kontakt@dmko.de

DRINGEND: Petition gegen die Bebauung ehemaligen KZ-Geländes

Bei dem folgenden Anliegen handelt es sich um eine bei change.org erschienene Petition. Diese soll die Rücknahme einer Umwidmung von Gründen durch die Gemeinde St. Georgen an der Gusen (Oberösterreich) bewirken, die eine Bebauung ehemaligen KZ-Geländes ermöglicht. Die umfangreiche Bebauung würde ein angemessenes Erinnern an die Verbrechen der Nationalsozialisten verhindern. Die Petition braucht 5000 Unterzeichner und findet sich hier.

Um den politischen Druck zu erhöhen, kann auch ein Brief an den Gemeinderat von St.Georgen geschickt werden:

PETITIONSBRIEF AN:
Gemeinderat von St. Georgen an der Gusen Gemeinderat St. Georgen an der Gusen
Bürgermeister der Gemeinde von St. Georgen an der Gusen – Major of St. Georgen an der Gusen Bürgermeister Erich Wahl, Major Erich Wahl

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Erich Wahl!

Ich bitte Sie, die Umwidmungen auf dem Gelände der Eingänge zu den ehemaligen Stollen (Pötsch-Gründe) von B8 Bergkristall rückgängig zu machen, eine Unterschutzstellung an zu streben und versuchen das gesamte Gelände als Gedenk- und Parkanlage zu erhalten.

Das ehemalige Konzentrationslager Gusen war ein Nebenlager des KZ-Mauthausen und wird aufgrund der dort erlebten Schrecken von ehemaligen Häftlingen auch als „Tor zur Hölle“ bezeichnet:

Keine Wohnungen an den Pforten zur Hölle zulassen – Do not allow dwellings in front of the gates of hell

Erinnerungskultur nicht verbauen – Umwidmung der „Pötsch-Gründe“ rückgängig machen

Do not destroy commemorations – re-change building permission at “Pötsch area”!

Die Gemeinde St. Georgen an der Gusen (Österreich) hat die Gründe der ehemaligen Eingänge zum Nazistollen „B8 Bergkristall“ in Bauland (Wohngebiet) umgewidmet. Darauf sollen nun laut Plänen Wohnsiedlungen entstehen. Die künftigen Bauten stünden daher auf historischem Boden, auf dem Grund der zerstörten Einfahrtsstollen – die Pforten zur Hölle für die geschundenen Häftlinge und Zwangsarbeiter und der letzte Anblick von Tageslicht für die über 10.000 Ermordeten in den St. Georgener Todesstollen.

In 2014 the St. Georgen administration (Austria) changed the area around the former nazi tunnel entrances of the „B8 Bergkristall” underground plant into a new block building area. These new blocks of flats would be standing on “historic ground”, replacing the former entrance tunnels, which were the “entrances to hell” for the misused prisoners and forced labourers, and even the last moment to see daylight for the about 10.000 persons killed inside.

Die Zeit drängt, denn die Bauträger wollen im Frühjahr 2015 mit dem Bau beginnen. Wir stellen uns gegen die massive Bebauung der ehem. Eingänge dieser Todes-Maschinerie, denn diese Böden und Gründe sind aufgrund der Vorkommnisse während der NS-Zeit historisch massiv belastet.

As time is running, because buildings are planned to start in the spring of 2015. We protest against such a massive building on this site of the former deadly nazi machinery. This place and soil was a death place.

Unserer Meinung nach muss das ganze Gelände untersucht, später denkmalgeschützt werden und als Parkanlage erhalten bleiben.

We think the whole area should be examined by specialists and later put under National Protection as a Memorial, additionally surrounded by a park.

Wir müssen neue Prozesse der Lern-, Gedenk-und Erinnerungskultur für die Zukunft zulassen, ohne dass zuvor irreparable Einschränkungen durch die Erbauung eines massiven Wohngebietes mit einem Umfang zwischen 130 und 140 Wohnungen auf diesen Gründen samt Tiefgarage gesetzt werden.

New process of learning and commemoration should be made possible for the future without massive destruction and restrictions by setting up a “living ghetto”, containing 130 to 140 flats and the subterranean parking lot for cars.

Gerade die Erfahrungen seit der Vorgehensweise in Langenstein mit einer Überbauung des kompletten Lagergeländes des KZ-Gusen zeigen die Problematik und Konfrontation mit einer pietätvollen Erinnerungskultur auf, wenn auf derartigem Gebiet Wohnsiedlungen gebaut werden, denn es entsteht ein Spannungsfeld zwischen Siedlungsbewohnern und Besuchern, wie zum Beispiel Überlebende, Nachkommen der Überlebenden und Ermordeten, Touristen, Geschichtsinteressierten etc.

Experiences of that kind made in Gusen / Langenstein, where the former nazi concentration camp ground was completely filled with private houses, show the difficulty of remembrance habits confronted with a private residental area.

Es gilt auch zu bedenken, dass durch den geplanten Bau von Wohneinheiten die gesamte Geometrie und die Perspektiven über dieses Gebiet verändert wird. Letztlich würde sich der verbleibende Stolleneingang mit Vorplatz verschwindend klein und nicht einsehbar ausnehmen, was die historische Bedeutung dieser Gegend rein optisch schmälern, um nicht zu sagen, relativieren, ja sogar verstecken würde. Die Gemeinde St. Georgen plant einen kleinen Gedenkplatz, den „Platz der Stille“, der allerdings von der gesamten umgewidmeten Fläche nur etwa 11% einnimmt.

Considering the brutal history, this massive building on the site of former nazi tunnel entrances would change views to the remaining ruins and the new made entrance to Bergkristall, end of the audio-guided “way of commemoration”. The historic place would be hidden and only seen very small in the distance among the future blocks. The planed “place of silence” in front of the gate to Bergkristall will only be 11% of the full site.

Die vom Grundbesitzer Pötsch gesprengten und demolierten Bahn-Einfahrtsstollen reichten bis knapp hinter das Haus Pötsch und auch in den künftigen Verbauungsbereich. Die künftigen Bauten stünden daher auf historischem Boden, auf dem Grund der zerstörten Einfahrtsstollen und der darunter liegenden zu vermutenden tiefen Bauten. Der Grundbesitzer Pötsch ließ auch drei der fünf aus Stahlbeton bestehenden Eingangsbauten in den Jahren nach 1965 zerstören.

The land owner Pötsch had destroyed the former tunnel entrances behind his house and on the future building site. The future blocks of flats will be standing on historic ground, on the place of these tunnel entrances and of further assumed deeply subterranean nazi buildings. Pötsch had also destroyed three of the five armed concrete entrance buildings, that can been on several US photographs.

Zusätzlich muss betont werden, dass tiefer liegende NS-Bauwerke unter der zu verbauenden Fläche zu vermuten sind und bislang nicht erforscht wurden. Einen Hinweis dazu gibt es in den St. Georgener Nachrichten aus dem Jahr 1983, als berichtet wird, die Gemeindearbeiter wären beim Neubau der Wasserstelle neben Bergkristall in größerer Tief auf Schienen gestoßen und weiter in 19,5 Metern Tiefe hemmte eine starke Eisenplatte alle weiteren Bohrungen.

Additionally we must emphasize on the large assumed nazi buildings in the depth, which had never been searched for and never examined. There is a hint in local “St. Georgen News” of 1983, reporting some rebuilding work of the local font in this area. Deep in the ground the workers had found rails and, in the depth of 19.5 metres, they could not go on because of a vey massive large iron plate.

B8 Bergkristall – KZ Gusen II

Die Großbunkeranlage „Bergkristall“ in St. Georgen/Gusen ist das größte Gebäude aus der NS-Zeit in Österreich. Knapp 54.000 Quadratmeter bombensichere Produktionsfläche wurden von Häftlingen des Konzentrationslagers KZ Gusen II in den Jahren 1944 und 1945 in nur 13 Monaten Bauzeit unter unvorstellbar grausamen Bedingungen und um den Preis von tausenden toten KZ-Häftlingen errichtet. Unter Tarnbezeichnungen wie z.B. „B8“ oder „Esche II“ wurden in „Bergkristall“ unter strengster Geheimhaltung Rümpfe für das damals bahnbrechende Düsenjagdflugzeug Me-262 in Fließbandarbeit gefertigt. Ebenso waren Schlüsseltechnologien für die Produktion von Spezialteilen in „Bergkristall“ bombensicher untergebracht. Standortentscheidend dürfte eine bereits seit 1939 in St. Georgen durch die SS betriebene Sandgrube, das Vorhandensein kleinerer Brauereikeller, die in St. Georgen und Gusen bereits vorhandene SS-Infrastruktur, die bereits seit 1943 erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Messerschmitt GmbH Regensburg und den Deutschen Erd- und Steinwerken (DEST), sowie die Nähe zu den Konzentrationslagern Mauthausen und Gusen gewesen sein. Die Realisierung des Projektes „Bergkristall“ führte zur zusätzlichen Deportation tausender KZ-Häftlinge nach Gusen, die dort in dem ab 9. März 1944 offiziell geführten Häftlingslager Gusen II unter primitivsten und menschenunwürdigsten Umständen untergebracht wurden. Die stark verschmutzen Unterkunftsbaracken waren oft verseucht und heillos überfüllt. Zeitweise wurden mehr Menschen über einen direkten Bahnanschluss „angeliefert“ als im Lager für das Projekt „verbraucht“ wurden. Tausende starben rasch infolge der harten Arbeit in den Stollen, der Unterernährung, dem Mangel an Schlaf und der fehlenden Hygiene.

Bergkristall underground factory is he largest nazi building in Austria. In 1944-45 prisoners from nearby Concentration Camp Gusen II had to build this bomb resisting production plant covering about 54 000 qms in the time of only 13 months. Working conditions were extremely brutal and caused the death of many thousand lives. Coded “B8”, “Esche II” and “Bergkristall” this was the most secret underground construction site of “Me-262” aircrafts, the latest jet fighter of the Germans. Additionally these bomb resisting tunnels were the production place of other secret special military objects. The nearby SS-led sand ditch and the cellars of the local brewery were overtaken by the SS in 1939 and led the way to building this tunnel system there. The nearby Mauthausen / Gusen Concentration Camps and the local SS-infra-structure, the long-time cooperation between the DEST and the Messerschmitt plant in Regensburg promoted the installation of this big factory in that hill in St. Georgen. The new project started in 1944, causing the deportation of thousands of prisoners from Auschwitz and other concentration camps to Gusen, where there was set up the new Gusen II Camp, officially opened on March 9th, 1944, the most deadly and most primitive, cruel camp of all the Mauthausen satellite camps. The overcrowded camp blocks were haunted by animal vermin and illnesses. In January 1945, deportations of prisoners from various concentration camps sometimes exceeded the demand for forced labourers, so many of these deported had to die inside the wagons of the deportation trains. Thousands died of harsh working conditions inside the tunnels, of hunger, diseases and and exhaustion.

Die Errichtung der Stollenanlagen in Gusen und St. Georgen und der äusserst brutal geführte Häftlingseinsatz sind auch verantwortlich dafür, dass die Opferzahl der Lager von Gusen ab 1942 schon jene des Lagers Mauthausen deutlich überstieg. Die Stollen von „Bergkristall“ bilden in einer gewissen Weise auch das bauliche Gegenstück zur heutigen Gedenkstätte Mauthausen. Beide Baukomplexe markieren letztlich auch bis heute die außergewöhnlich raumgreifende Ausdehnung des ehemaligen KZ-Komplexes Mauthausen-Gusen. Sie zeigen auch den Wandel dieses KZ-Komplexes während des Kriegsverlaufes von einem Zentrum der Granitsteinindustrie zu einem Zentrum für die Kriegsproduktion im totalen Krieg, deren wahre Ausmaße bis heute nicht erforscht sind. Aktuell beschäftigt sich der Linzer Dokumentarfilmer Andreas Sulzer mit neu aufgetauchten Dokumenten, die weitere Stollenanlangen belegen sollen. „Bergkristall“ wurde mit den Konzentrationslagern Mauthausen und Gusen I, II & III am 5. Mai 1945 befreit.

The construction of subterranean tunnel systems in Gusen and St. Georgen, the brutal working conditions had increased the death tolls of the Gusen camps compared to those of the “mother camp” Mauthausen, since 1942. The tunnels of Bergkristall form the construction counterpart to the still existing Concentration Camp Mauthausen, now a well kept memorial. The constructions of Mauthausen, Gusen and Bergkristall mark the enormous extension of the Mauthausen-Gusen complex during the war, from the center of granite production to the center of arms production in the declared “total war”, an extension that has not been examined by now. Currently, the Austrian documentary filmmaker Andreas Sulzer is busy with newly surfaced documents purporting to show more tunnel systems. The Bergkristall plant was liberated together with the Mauthausen and Gusen I, II and III Concentration Camps on May 5th, 1945.

Im Herbst 1947 wurde durch eine Strafkompanie der Roten Armee versucht, das Stollensystem mit nicht mehr benötigten Fliegerbomben zu sprengen. Diese mehrere Wochen dauernden Sprengversuche konnten die Anlage aber nicht vollständig zerstören, sondern nur an einzelnen Stellen erheblich beschädigen. So kam es bereits wenige Jahre nach diesem Zerstörungsversuch zu einzelnen, bis an die Oberfläche reichenden Kraterbildungen, die aber von der Bevölkerung wieder sukzessive verfüllt wurden. Da „Bergkristall“ während des totalen Krieges ohne irgendwelche Bewilligungen errichtet worden ist, blieben Fragen des Eigentums, der Verantwortlichkeit oder Zuständigkeit viele Jahrzehnte lang ungeklärt. Die teilweise stark beschädigten Stollen wurden in den Jahrzehnten nach dem Krieg aber für einzelne Nachkriegsnutzungen wie z.B. ein unterirdisches Kavernenkraftwerk, einen Großbunker für den Zivilschutz oder ein Atommüll-Lager in Betracht gezogen. Mit Ausnahme einer Champignonzucht und dem Abbau des bei den Sprengstellen angefallenen Sandes wurde aber keine dieser Nutzungen je realisiert, dagegen wurde das gesamte südliche Hügelgebiet durch massiven Sandabbau zerstört und andere Teile des Hügels wurden ohne Sorge um die Sicherheit der Bewohner überbaut.

In the autumn of 1947, a penal group of The Red Army tried to destroy the Bergkristall tunnel system by the use of remaining air bombs. These attempts to blow up the tunnel system did not really destroy the plant, but caused damage on several places, i.e. the crossings of tunnels. Therefore many craters formed the surface of the Bergkristall hill after these attempts of destruction, which were continuously filled by the local population. Being constructed illegally during “the total war”, matters of propriety and responsibility had not been made clear for decades. After Soviet occupation the semi-destroyed tunnel system was considered to house a subterranean power plant, a bunker for civil protection and even a deposit for nuclear waste. No ones of these after-war projects were made real, but the local “proprietor” of the outside area used the tunnels for growing champignon mushrooms and sold the sand of the hill. The massive sand mining destroyed much of the hill, the northern part of it was used for private house building without caring for persons’ safety.

Erst im Jahre 2001 trat die Republik Österreich bei „Bergkristall“ die offizielle Rechtsnachfolge nach dem Großdeutschen Reich an und übertrug die Tunnelruine an die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) als neue Eigentümerin. Nachdem aber schon in den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts über einzelnen Stollenteilen Häuser errichtet worden waren, begann die BIG bereits in den Jahren 2003 und 2004 zur Absicherung dieser Häuser mit einer Teilverfüllung der Stollen begonnen. 2009 wurde dann der grösste Teil der verbliebenen Stollen durch die BIG gesichert. Seit diesem Zeitpunkt laufen aber umfangreiche Bemühungen, um die nun noch erhaltenen Stollenreste von Bergkristall als Gedenkstätte zugänglich zu machen. Im Mai 2010 war es ehemaligen Häftlingen der Konzentrationslager von Gusen erstmals sei dem Kriegsende möglich, die verbliebenen Stollen von „Bergkristall“ zu besuchen.

Not before 2001, the Republic of Austria became successor to the former “German Reich” by law in the case of Bergkristall, and transferred the semi-destroyed tunnel system to the BIG (Bundesimmobilien-Gesellschaft, a national company), the new declared proprietor. To improve the safety of the new-built houses on the surface the BIG started filling up the tunnels in the years 2003 / 2004 until 2009. Since then there were made several attempts and actions to open the only remaining and carefully restored tunnel A to the public. In 2010 the first groups of former prisoners of the Gusen Camps and family members were allowed to visit this only remaining tunnel.

Konturen und Geschichte der Mahn- und Gedenkstätte

Bauliche Überreste

Die im KZ Mauthausen gefangen gehaltenen Menschen wurden am 5. Mai 1945 von einer Panzerdivision der US-Army befreit. Dieser Tag der Befreiung des Lagers gilt für sämtliche heute stattfindenden Umgestaltungsmaßnahmen der Gedenkstätte als Bezugspunkt.[1] Dies betrifft in erster Linie die wenigen, noch vorhandenen baulichen Überreste des Konzentrationslagers Mauthausen (KLM).

Die Veränderungen der baulichen Überreste des ehemaligen Lagers vollzogen sich in drei Phasen und fanden erst im Jahr 1970 ihr Ende. Nur in wenigen Fällen wurden Rekonstruktionen und Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt. Die meisten Zeugnisse wurden im Laufe der Zeit demontiert, abgerissen und/ oder verkauft. Die erste Phase umfasste das Ende des Krieges, die Befreiung und Auflösung des Lagers.[2] Für die Amerikaner stellte sich das Lager bei ihrer Ankunft als Tatort und menschliche Katastrophe dar. Ihre Maßnahmen waren dementsprechend neben der Dokumentation der Verbrechen zum Zwecke der Aufklärung und zur späteren juristischen Verfolgung der Täter vorrangig humanitär. Sie sorgten einerseits für die Repatriierung Reisefähiger, andererseits wurden die Verhältnisse im Lager und Umgebung so hergerichtet, dass die noch nicht zu repatriierenden ehemaligen Häftlinge genesen konnten.[3] Um der vom so genannten ‚Sanitätslager‘ ausgehenden Seuchengefahr zu begegnen, wurden dessen Baracken abgebrannt und dort, wie auch auf dem nahegelegenen SS-Sportplatz Leichen begraben, die nicht mehr bestattet worden sind oder an den Folgen der Haft starben. Zur Kennzeichnung stellte man gleich einem US-amerikanischen Soldatenfriedhof weiße Kreuze auf die Grabstätten. Durch Exhumierungen wurden 1955/56 dieses und in den 1960er und 1970er Jahren andere, auf Befehl der Nazis ausgehobene Massengräber aufgelöst und im Quarantänelager zentralisiert.[4] Ein disponibler Teil des Lagers wurde von ehemaligen Häftlingen in die Heimatländer mitgenommen. Sie waren Asservate für Prozesse, Relikte für Ausstellungen oder Ware zur Entschädigung der Haft.

Im Sommer 1945 wechselte im Zuge der Festlegung der Besatzungsgrenzen die Verantwortung für das Lager in die Hände der sowjetischen Zonenverwaltung, die es von August bis März 1946 als Soldatenunterkunft nutzte. Hiermit begann die so genannte pragmatische Phase. Nach Abzug der sowjetischen Soldaten kam es bis zur Übergabe des Lagers aufgrund von Plünderungen der umliegenden Bevölkerung und Demontagen der sowjetischen Verwaltung zu Konflikten zwischen den Verwaltungseinheiten.[5] Bereits in dieser Zeit nahmen sowohl die Gemeinde Mauthausen, als auch die sowjetische Verwaltung Verkäufe von Baracken vor.[6] Auch in den Jahren nach der Übergabe des nutzlos gewordenen Lagers ‚nutzen‘ die Menschen der Umgebung die Materialien für eigene Zwecke.

Wurden im Mai 1946 seitens des Landesverbandes ehemals politisch Verfolgter erstmals Forderungen zur Errichtung einer Gedenkstätte erhoben, so waren diese in der Übergabevereinbarung festgelegt, die am 20. Juni 1947 in Kraft trat, als das ehemalige KLM in die Verantwortung Österreichs gelegt wurde. Der nun mehr zur Debatte stehende Erhalt der baulichen Überreste zum Zwecke der Errichtung einer Gedenkstätte war in dieser dritten Phase vor allem eine finanzielle Frage. So wurden im Laufe der Jahre nahezu alle Baracken des ehemaligen KLM verkauft. Auch der vollständige Abriss der baulichen Überreste und die Errichtung eines weithin sichtbaren Kreuzes an der Stelle, wo heute ein Sarkophag steht, wurden bis zur Eröffnung im Mai 1949 immer dann erwogen, wenn es darum ging, Gelder zur Renovierung und Instandhaltung bereit zu stellen. Begleitet waren diese Diskussionen von Deutungskämpfen zur Darstellbarkeit der im KLM verübten Verbrechen und des dort erlittenen Leides.[7] Dass die Gedenkstätte letztlich im Rahmen einiger privilegierter baulicher Überreste gestaltet und erhalten wurde, begründet B. Perz einerseits mit den in Relation zu einem Abriss niedrigeren Kosten und mit den Verpflichtungen gegenüber der UdSSR andererseits.[8] Wesentlichen Einfluss auf die Entscheidung, was erhalten und was verkauft werden sollte, hatte die Festlegung ihrer Grenzen, die im Vorfeld der Eröffnung der Gedenkstätte abgesprochen wurde. Gehörten mit der Eröffnung am 2. Mai 1949 nur das Schutzhaftlager, das Sanitätslager, der Lagerbereich der SS zwischen Steinbruch und Häftlingslager als auch die Todesstiege zum Areal, nicht jedoch der Wiener Graben, so wurde die Gedenkstätte in den Jahren bis heute stetig erweitert.[9] Anfang 1950 wurde der Weg von der Todesstiege zum Lager als Bestandteil ergänzt[10] und im August 1957 wurde der Steinbruch ‚Wiener Graben‘ nach Klärung seiner negativen Wirtschaftlichkeit ebenfalls in die Gedenkstätte integriert.[11]

Zentraler Überrest und Ikone für das ehemalige KLM ist die Vorderansicht, die es gleich einer Festung präsentiert. Es ist gerade jene Ansicht, die Mauthausen auf den ersten Blick als ein Denkmal[12] wahrnehmen lässt. Geprägt ist sie durch die erhöhte Lage des ehemaligen KZ. Läuft man aus der Ortschaft Mauthausen kommend die Erinnerungsstraße herauf, so tut sich das ehemalige KZ langsam auf. Wie eine Festung zeigen sich zwei Mauern, die dort, wo sie ein Stück parallel verlaufen, den Garagenhof der SS bilden. Verbunden sind sie durch zwei hintereinander stehende Wachtürme, die die Einfahrt in den Garagenhof der SS überwachten. Während eine der Mauern nordwestlich weitergeht, zieht sich die hintere Richtung Südwesten. Einzig vor den Mauern erhaltenes sind der Löschteich, unmittelbar neben der Straße, als auch der etwas abschüssig dahinter liegende, in seinen Umrissen noch erkennbare Sport- und Exerzierplatz der SS. Vom Ende des Garagenhofs führt eine Treppe herauf vor das Haupttor des Häftlingslagers, das auch nordwestlich an der Gedenkstätte vorbei, entsprechend des Weges der Häftlinge durch die nicht erhaltenen SS-Wachunterkünfte, über den heutigen Denkmalbezirk erreichbar ist. Sein Eingang ist, wie der des Garagenhofes, durch zwei gleich hohe Wachtürme umgeben. In einer Linie weiter Richtung Nordosten steht ein weiterer Wachturm, von dem aus der hintere Teil des Häftlingslagers überwacht wurde. Im ehemaligen Lager II finden sich dann erneut zwei Wachtürme. Wieder in der Vorderansicht erheben sich hinter den Mauern das Kommandanturgebäude. Die in Richtung Nord-west verlaufende Mauer grenzt den Bereich der SS aus der Blickrichtung, von vorn ab. Hinter der nach Nordost verlaufenden Mauer kommen, höher gelegen die noch erhaltenen Wäschereibaracke, das Lagergefängnis, die Küchenbaracke und das Krankenrevier zum Vorschein. Im hinteren Teil des Lagergefängnisses befinden sich die bis 1949 rekonstruierte Gaskammer sowie das Krematorium, die die Nazis Ende April 1945 zur Spurenbeseitigung demontiert hatten. In U-Form umschließt die Mauer das Schutzhaftlager an der nordwestlichen und südöstlichen Seite und grenzt im Nordwesten das Häftlingslager vom nicht mehr vorhandenen Bereich der SS ab. Weiterhin trennt sie es im Südosten, am Ende des Schutzhaftlagers vom ebenfalls geschliffenen Lager III ab. Im Schutzhaftlager selbst stehen parallel zu den genannten Baracken, getrennt durch die Appellstraße, auf die man durch das Haupttor kommt, noch die Baracken 1,6 und 11. Hinter der Baracke 11, der letzten Baracke auf dieser Seite, befindet sich das Lager II, das innerhalb das durch kleinere, ebenfalls erhaltene Mauer unterteilt ist. Hier befinden sich keine Gebäude mehr.

Heute werden vormals ausgegliederte Bereiche wieder Bestandteil der Gedenkstätte, sei es durch Rückkäufe von zuvor an die ursprünglichen Besitzer gegebenem Land, durch  digitale Medien, wie Audiotour, Filme oder durch in der Umgestaltung befindlichen Kommentierungen. Das Lager III sowie die Aschehalde, die im Mai 1948 aufgrund von Besitzverhältnissen nicht in die Gedenkstätte übernommen werden konnten, wurden 2008 zurückgekauft und können nun in die Konzeption wieder aufgenommen werden. Auch wenn die Siedlungen der SS in der Ortschaft Mauthausen hingegen nie zur Gedenkstätte gezählt wurden, so sind sie doch Teil des ehemaligen KZ.

Lern- und Gedenkort

Gedenk- und Lernort lassen sich auf verschiedenen Ebenen analytisch von einander abheben. Während es beim Gedenken darum geht, eine Vergangenheit gegenwärtig zu halten, kleidet Lernen jenen Inhalt aus dem Abstrakten und macht ihn anwendbar. Räumlich können beide dort voneinander unterschieden werden, wo dem Ort deutlich erkennbar mit einer reflexiven oder empathischen Haltung begegnet wird.

Den Grundstein für eine Gedenkkultur im befreiten KLM legte die Einrichtung der Gräber durch die Amerikaner. Auch nach mehreren Exhumierungs- und Umbettungsunternehmen in den 1950er und 1960er Jahren gilt die Gedenkstätte in Teilen noch heute als Friedhof. So sind heute im ehemaligen Lager II, hinter der Baracke 11 zwei Friedhöfe eingerichtet. Im Zuge der Neugestaltung soll auch die Aschehalde in das Totengedenken einbezogen werden.[13]

Die in der zweiten Phase der Gedenkstätte durchgeführten Demontagen und Abrisse und Verkäufe der baulichen und disponiblen Überreste des Lagers zeigten, so B. Perz und M. Wimmer, dass Mauthausen nicht als historischer Ort betrachtet wurde, sondern vielmehr als Gedenkstätte und Mahnmal. Beide sprechen in der Intention der ehemaligen Häftlinge von einem „[…] Geschichtszeichen […], das über die Gegenwart hinausreichen und die Massenverbrechen ‚nie wieder‘ möglich machen sollte[14]. Das erste explizite Erinnerungszeichen der Gedenkstätte wurde anlässlich der Übergabefeierlichkeiten 1947 enthüllt. Die Tafel an einem Wachturm am Eingang des Schutzhaftlagers und enthält entsprechend dem nationalen und den Widerstand betonenden Narrativ der Jahre nach dem Krieg eine zahlenmäßige Aufstellung der nationalen Opfergruppen.

Weitere Einrichtungen der Gedenkstätte wurden mit ihrer Eröffnung am 2. Mai 1949 eingeweiht. Mit dieser hatten sich die Diskussionen um die vollständige Schleifung des Lagers und Errichtung einer von historischen Überresten befreiten, christlich konnotierten Gedenkstätte endgültig erledigt. Besonders der kommunistisch geprägte KZ-Verband hatte sich mit Unterstützung der sowjetischen Verwaltung durchgesetzt. Dabei stand ihm die staatliche Politik gegenüber. Während das Finanzamt darauf achtete, „[…] den finanziellen Aufwand für Mauthausen so gering wie möglich zu halten, diesen gleichzeitig am maximalen außenpolitischen Effekt auszurichten[15], setzten sich die organisierten Überlebendenverbände dafür ein, historische Überreste als Denkmal zu erhalten, von denen eine besondere Sinnstiftung für das Gedenken ausgeht.[16] An die Stelle eines immer wieder ins Gespräch gebrachten überdimensionalen Kreuzes wurde an zentraler Stelle der Appellstraße bzw. des Appellplatzes ein Sarkophag errichtet, der mit lateinischer Inschrift „Mortuorum Sorte Discant Viventes[17] versehen das Lager einerseits als Friedhof kennzeichnet, andererseits als Ort der Mahnung charakterisiert. Dazu wurde eine katholische Kapelle in der ehemaligen Wäschereibaracke und ein säkularer Gedenkraum eröffnet. Entstand ersteres wohl aufgrund eines Kompromisses zum nicht umgesetzten Kreuz,[18] war der Gedenkraum für Veranstaltungen der Staaten vorgesehen. 1955 wurde im so genannten Sanitätslager, auch als ‚Russenlager‘ bezeichneten Areal, ein Gedenkstein für die sowjetischen Gefangenen errichtet.

War das von der Sowjetunion 1948 zwischen Kommandantur und Schutzlagertor errichtete Monument, das dem Artillerie-General Dimitri Michailowitsch Karbyschew gewidmet war, das erste, gilt das am 22. September 1949 eingeweihte französische Monument im ehemaligen Bereich der SS-Unterkünfte als Vorbild für die folgenden Monumente.[19] In den folgenden Jahren errichteten eine Vielzahl von Nationen und später auch staatenübergreifende Opfergruppen, wie Juden, Sinti und Roma und Jugendliche dort Denkmäler. Ursprüngliches und nur im Ansatz umgesetztes Ziel war die Idee einer ‚ästhetischen Gestaltung und Anordnung‘ zu einem Gesamtdenkmal zur Unterstreichung des internationalen Charakters der Gedenkstätte unter dem dafür eingesetzten Architekten Wilhelm Schütte.[20] Heute ist der Denkmalpark landschaftlich gestaltet und gilt als Besonderheit der KZ-Gedenkstätte.[21] Neben diesem finden sich im Häftlingslager neben dem Eingang, vor der Wäschereibaracke, an der so genannten ‚Klagemauer‘[22] kollektive Gedenktafeln. Sie reichen von Gruppen und Parteien bis hin zu Nationen. Orte individuellen Erinnerns finden sich ebenfalls durch Tafeln gekennzeichnet im Krematorium.[23]

In der sozialen Dimension des Gedenkortes Mauthausen sind die jährlich stattfindenden Befreiungsfeierlichkeiten von Bedeutung. Dabei kann sie „[…] heute sowohl auf Grund ihrer Teilnehmerzahl als auch wegen ihres internationalen Charakters als die größte Gedenkfeier dieser Art betrachtet werden. Jedes Jahr finden sich zwischen fünf- und zehntausend Teilnehmer zu den Gedenkzeremonien ein; zu runden Jahrestagen kommen zwanzig- bis dreißigtausend Menschen[24]. Bis heute werden die Befreiungsfeiern in ähnlicher Weise durchgeführt. Ein Grund dafür besteht wohl darin, dass diese seit den 1950er Jahren bis heute vom Internationalen Mauthausen-Komitee, der internationalen Organisation der Überlebenden, organisiert und durchgeführt wurde. Bis 1964 blieben die kommunistisch orientierten Überlebenden aufgrund von Konflikten mit staatlichen Organisationen auch unter sich. Eine Annäherung der Positionen zwischen kommunistischen und konservativen Überlebendenorganisationen in den 1960er Jahren bereitete schließlich den Weg, die Gedenkstätte zum zentralen Gedenkort zu etablieren.[25] Die Monumente des Denkmalparks sind im Rahmen der Befreiungsfeierlichkeiten Teil der nationalen Gedenkfeiern und erfahren hier eine ritualisierte und institutionalisierte Nutzung.

Die zentralen Befreiungsfeierlichkeiten haben heute häufig auch kulturelles im Programm. Neben den Befreiungsfeiern zeichnet sich der Gedenkort durch eine besondere Eventkultur[26] aus. So wurde 1997 im Steinbruch Wiener Graben eine imposant inszeniertes Oratorium durchgeführt worden. 2000 spielten ebenfalls dort die Wiener Philharmoniker.

Zwischen Gedenken und Lernen sind jene Kommentierungstafeln anzusetzen, die mit der Entwicklung des Gedenkortes installiert wurden, kontextualisieren sie doch die Objekte und informieren mit dem Ziel, Gedenken zu stiften. Diese finden sich an Baracken, wie auch an der Treppe hinunter zum Steinbruch. Während im Zuge der Umbaumaßnahmen einige historisch bedeutsame erhalten bleiben, werden andere durch neue ersetzt und im Museumsdepot, dass errichtet werden soll, archiviert.[27] Dazu wird das Beschriftungssystem vereinheitlicht. Veränderungen in der Kommentierung und damit in der Deutung der Gedenkstätte wurden z.B. nach 1955 an Tafel am rechten Wachturm vorgenommen, indem hier die Sätze hinzugefügt wurden: „Bürger aus anderen Staaten und Staatenlose 3160. […] In diesen Zahlen [alle in der Aufstellung angegebenen. Anm. d.Vf.] sind nicht enthalten die Zehntausenden Opfer, welche bald nach ihrer Einlieferung ermordet wurden, ohne in irgendeinem Register erfasst worden zu sein.[28]

Den wesentlichen Schritt zur Etablierung als Lernort nahm die Gedenkstätte in den 1960er Jahren mit der Entscheidung zur Gestaltung einer Ausstellung, die zu einem Museum ausgearbeitet wurde. Anlass für die Einrichtung war ein verändertes Bewusstsein angesichts einer erwachsenwerdenden Generation, die den Nationalsozialismus (NS) nicht mehr bewusst selbst erlebt hatte. Auch die sich Mitte der 1960er Jahre entspannende internationale Situation hatte Einfluss auf die innerösterreichische Entwicklung.[29] Dabei galt es, eine österreichische Identität zu entwickeln und die Gedenkstätte in den Prozess des ‚nation buildings‘ einzubeziehen.[30] Anfang der 1960er Jahre gab es auch erstmals einen Aufruf des Wiener Schulstadtrates, die Gedenkstätte als Lernort zu besuchen. Doch erst mit der ständigen Ausstellung wurde dieser Aufforderung in der Breite nachgekommen. [31]

Die Gedenkstätte Mauthausen als Lernort entstand somit erst mit der Eröffnung des Museums 1970 und wird seither immer weiter entwickelt.[32] Es ist insbesondere der Lernort der Gedenkstätte Mauthausen, der heute eine weitreichende Umgestaltung erfährt. Kern dieser Arbeiten sind zum einen das bereits genannte neue Beschriftungssystem, die Gestaltung einer neuen Überblicksausstellung sowie die Formulierung von fünf themenzentrierten Ausstellungen an passenden Orten. Die neue Überblicksausstellung z.B. wird entsprechend der unter der Leitung von Hans Maršálek erstellten ersten Dauerausstellung im Krankenrevier untergebracht. In einer Übergangszeit wird diese in Kurzform erhalten und später archiviert. Den Leitlinien des Umgestaltungskonzeptes folgend wird der Umstand berücksichtigt, dass die Gedenkstätte selbst eine Geschichte hat. So müssen „[…] künftige gestalterische Maßnahmen […] den Status quo ante dokumentieren[33].

Im Zuge der Umbauarbeiten wurden und werden umfangreiche archäologische Grabungen durchgeführt. Diese sollen „[…] genauere Informationen über Topographie und noch vorhandene Spuren heute nicht mehr erkennbarer Lagerbereiche (Sanitätslager, Lager III, Zeltlager) liefern[34]. Anstelle von Rekonstruktionen sollen durch „[…] historische Kommentierung dieser Lagerbereiche […] die ursprüngliche Struktur und Ausdehnung des Lagers wieder lesbar gemacht werden […]“[35].

2003 wurde mit dem Besucherzentrum und der mit ihr verbundenen Bibliothek ein externer Lernort geschaffen. „Dementsprechend sollten dem Besucherzentrum museale, didaktische, logistische und verwaltungstechnische Funktionen zukommen.[36] Errichtet wurde es auf dem Gelände der Werkstätte und SS-Unterkünfte an der südwestlichen Seite des Lagers. Auch hier wurden zuvor Grabungen vorgenommen. Das Besucherzentrum mit dem Titel „Das Gedächtnis von Mauthausen“ ist in vier Module unterteilt. Hier haben die Besucher*innen Zugriff auf ein über 900 Interviews umfassendes Archiv. Es kann sich hier über die Geschichte der Gedenkstätte informiert werden, anhand von Opfer- und Täterobjekten dem ehemaligen KZ genähert werden oder an Computerterminals weitergehende Informationen recherchiert und digitalisierte Dokumente eingesehen werden.[37] Daneben werden Seminarräume zur Verfügung gestellt. „Nicht zuletzt sollte dem Gebäude auch die Funktion eines ‚Portals‘, also Ausgangs- und Endpunkt des Gedenkstättenbesuches, zukommen.[38]

Neben der Gestaltung der Ausstellungen hat der Lernort eine didaktische Dimension, die parallel zur Vermittlung der materiellen Objekte und der Geschichte der Gedenkstätte erarbeitet wurde. Dazu gehören neben einem neu entwickelten Audioguide, Führungen durch geschultes Personal,[39] sowie ein auf Erkenntnissen von Besucher*innenbefragungen entwickelter Rundgang, der mit den wesentlichen historischen Fakten vertraut machen und die Besucher*innen in die Lage versetzen soll, „[…] das Geschehene einzuordnen und zu bewerten[40].

Auf einer weiteren Ebene stehen die Vernetzungen mit Bildungseinrichtungen, anderen Trägern und die Koordination mit dem Bundesbildungsministerium sowie die Entwicklung neuer pädagogischer Angebote.[41]

Zwischen Gedenk- und Lernfunktion bewegen sich originalgetreu hergerichtete Räume wie das Besprechungszimmer oder eine Baracke. Zum Besprechungszimmer schreibt das Konzept der Neugestaltung, dass dieses „[…] unter Berücksichtigung der konservatorischen Bedingungen und in einer Form, die eine falsche Auratisierung des Ortes vermeidet, in die Ausstellungskonzeption eingebunden[42] werde.

Die umfangreichen Umbauarbeiten lassen erkennen, dass die Gedenkstätte eine wesentliche Rolle in der staatlichen Politik spielt. In seiner großen Bedeutung für die Erinnerungskultur Österreichs, fehlt der Gedenkstätte jedoch bis heute ein internationales Jugendzentrum, durch das notwenige Jugendprojekte realisiert werden können. Angesichts der Bedeutung der Gedenkstätte sind Unterbringungsmöglichkeiten für längerfristige Begegnungsprojekte jedoch dringend notwendig. Leider beziehen sich sämtliche Maßnahmen des Bundesministeriums des Inneren auf das Gedenkstättengelände, nicht jedoch auf externe Einrichtungen.



[1] BMI [Hrsg.]: Mauthausen Memorial Neu Gestalten. Rahmenkonzept für die Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Wien 2009, S. 14.
[2]
Hier wird zwischen der Phase der „pragmatischen Nutzung“ (Ebenda. S. 10.) und dem unmittelbaren Kriegsende unterscheiden. Die von den Amerikanern durchgeführten Maßnahmen waren in Folge der im KLM verübten Verbrechen notwendig und stehen damit in unmittelbarem Zusammenhang mit den Verbrechen. Als auf das Lager und die Verbrechen bezogenen Maßnahmen sind sie von einem Umgang mit dem Lager zu unterscheiden.
[3]
Perz, Bertrand: Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen 1945 bis zur Gegenwart. Innsbruck 2006, S. 33.
[4]
Ebenda. S. 166.
[5]
Ebenda. S. 52.
[6]
Ebenda. S. 51.
[7]
Vgl. Ebenda. S. 73f. 
[8]
Vgl. Ebenda. S. 103.
[9]
Einen Überblick über das Lager findet sich auf: www.mauthausen-memorial.at
[10]
Vgl. Perz: KZ-Gedenkstätte. S. 101.
[11]
Vgl. Ebenda. S. 168.
[12]
Damit meine ich den Prozess, in dem ein zu den Denkmalen zählendes Gebäude dann zu den Denkmälern gilt, wenn es in irgendeiner Weise öffentlich sichtbar kontextualisiert und mit einer Funktion für die Gegenwart besetzt wird. Vgl. Würfel, Maria: Denkmäler im Geschichtsunterricht. Denkmal – Denkmäler – Denkmale. Ein Wortspiel? In: Verband der Geschichtslehrer Deutschlands [Hrsg.]: Geschichte für Heute. Zeitschrift für historisch-politische Bildung. 1/2009,2, Schwalbach , S. 5-19.
[13]
BMI [Hrsg.]: Neu Gestalten. S. 14.
[14]
Perz, Bertrand/ Wimmer, Mario: Geschichte der Gedenkstätte. In: BMI [Hrsg.]: Das Gedächtnis von Mauthausen. 2003, S. 58-73, hier S. 64.
[15]
Perz: KZ-Gedenkstätte. S. 96.
[16]
Vgl. Ebenda. S. 77.
[17]
„Aus der Toten Geschick mögen die Lebenden lernen“
[18]
B. Perz vermutet, dass die Einrichtung eines christlichen Gedenkraumes dem Wunsch entgegenkam, anstelle der baulichen Überresten eine christlich konnotierte Gedenkstätte in Form eines Kreuzes zu errichten. Ebenda. S. 120.
[19]
Vgl. Ebenda. S. 169ff.
[20]
Vgl. Ebenda. S. 178.
[21]
Vgl. BMI [Hrsg.]: Neu Gestalten. S. 11.
[22]
Die neu eingelieferten Häftlinge standen hier mit dem Gesicht zur Mauer. S. http://www.mauthausen-memorial.at/db/admin/de/show_article.php?carticle=336&topopup=1
[23]
Vgl. Perz/Wimmer: Geschichte der Gedenkstätte. S. 66.
[24]
Prenninger: Symbole und Rituale der Befreiungsfeiern in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. In: Dittrich, Ulrike/ Jacobeit, Siegrid [Hrsgg.]: KZ-Souvenirs. Erinnerungsobjekte der Alltagskultur im Gedenken an die nationalsozialistischen Verbrechen.  Potsdam 2005, S. 40-54, hier S. 42.
[25]
Vgl. Perz/Wimmer: Geschichte der Gedenkstätte. S. 67.
[26]
Vgl. Perz: KZ-Gedenkstätte. S. 254ff.
[27] BMI [Hrsg.]: Neu Gestalten. S. 25.
[28]
Perz: KZ-Gedenkstätte. S. 150. Die dort angegeben Zahlen sind jedoch in keiner Weise fundiert.
[29]
So wurde auf Initiative des kommunistischen KZ-Verbandes die ‚Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen‘ gegründet. Vgl. Ebenda. S. 219.
[30]
Vgl. Ebenda. S. 214.
[31]
Vgl. Ebenda. S. 215.
[32]
Vgl. Ebenda.
[33]
BMI [Hrsg.]: Neu Gestalten. S. 14.
[34]
Ebenda. S. 17.
[35]
Ebenda. S. 16/17.
[36]
Ebenda.
[37]
Vgl. http://www.mauthausen-memorial.at/index_open.php
[38]
BMI [Hrsg.]: Neu Gestalten. S. 44.
[39]
Im Zuge der Umgestaltungsmaßnahmen werden die Guides durch eine Schulung professionalisiert und auf die Anforderungen dieser Tätigkeit vorbereitet.
[40] Ebenda.
[41] http://www.mauthausen-memorial.at/index_open.php
[42]
BMI [Hrsg.]: Neu Gestalten. 2009, S. 40.