MKD – Das Dachverbandstreffen

`Auf halben Wege´ trafen wir uns am ersten Novemberwochenende mit unseren Stuttgarter FreundInnen in Waltershausen/Thüringen zum jährlichen Dachverbandstreffen. Neben organisatorischen Fragen zu den Befreiungsfeierlichkeiten 2019, dem Bericht über das letzte Arbeitstreffen des  Comité International de Mauthausen (CIM) in Amsterdam, der allgemeinen Situation in Mauthausen und Loibl, diskutierten wir auch das Schwerpunktthema für die kommenden Befreiungsfeierlichkeiten: Niemals Nummer, immer Mensch. Dabei streiften wir Fragen bezüglich der instrumentellen Vernunft, der verwalteten Welt, die Fragen nach Verantwortung und Solidarität, aber auch der Ohnmacht in einem sich totalitär zuziehenden Europa voller Nationalismus. Wir waren uns durchaus einig, dass die oft zitierten Anfänge, denen es doch zu wehren gelte , bereits weit und lange überschritten sind. Das ist durchaus eine Niederlage. Dennoch Ohnmacht entbindet uns nicht von Verantwortung. Neben der Form des Mahnens , des Erinnerns, des Bewußthaltens  wird die eigene Reflexion über die Verhältnisse sowie das aktive Verweigern und Widerstehen in der kommenden Zeit durchaus von größter Bedeutung sein. Das machte uns auch der Besuch am `Erinnerungsort Topf und Söhne´ im Rahmen unseres Treffens sehr deutlich. Die engagierte Führung von Rüdiger Bender ( Vorsitzender des Förderkeises dieses Erinnerungsortes) erhellte uns viele Momente, die uns in unserer Diskussion begegneten. Die Brieffloskel „Stets gern für Sie beschäftigt,…“ ist groß aufgetragen worden am ehemaligen Verwaltungsgebäude  dieser “ ganz normalen Firma“. Der Gang durch die Ausstellung klärt schließlich auf. 

Das Reflektieren über die täglichen  „Normalitäten“ bleibt sicher unerlässlich und mit einem kleinen Nein, entwischt man vielleicht hier und da der Ohnmacht und rettet im besten Fall etwas Glück für sich und die Anderen. Zu den Befreiungsfeierlichkeiten 2019 in Mauthausen werden wir zahlreich und in verschiedenen Generationen zusammenkommen, bewusst und solidarisch. Bis dahin und danach gibt es täglich einiges zu tun und sehr viel zu verweigern.                                                                                    weisi

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„Techniker der ‚Endlösung‘. Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz“
https://www.topfundsoehne.de/ts/de/ausstellungen/dauerausstellungen/techniker_der_endloesung/index.html

Besuch der Gedenkstätte

Anfang Oktober, mein dritter Besuch in diesem Jahr, begrüßte uns Andreas Baumgartner an den Toren der Gedenkstätte Mauthausen um unsere kleine Gruppe Pädagog*innen, Multiplikator*innen und Interessierte durch die Gedenkstätte zu führen. 

Es war eine interessante, bewegende Führung – ich wäre auch noch vier weitere Stunden mit seinen Geschichten und seinem Blick durch die Gedenkstätte gelaufen. Doch das Programm der Studienreise ginge weiter…Aktuell steht weiterhin ein großer Bauzaun vor der Todesstiege. Ein Betreten, ein Erinnern oder gar die Vermittlung des Ortes sind nicht möglich. Nach der Führung trafen wir Anni. Es war eine große Freude und Überraschung für alle. Es ist doch auch sehr schön bekannte Gesichter wiederzusehen. 

Pressemeldung MKÖ vom 28.09.2018:

Massnahmen am Ort des ehemaligen KZ-Außenlager Loibl Nord: Mauthausen Komitee protestiert

Das Mauthausen Komitee Österreich arbeitet, gemeinsam mit seinen lokalen Initiativen, bereits seit Jahrzehnten an der wissenschaftlichen Aufarbeitung, an der Vermittlung der Geschichte der ehemaligen Außenlager des KZ Mauthausen und veranstaltet jährlich mehr als 90 Gedenk- und Befreiungsfeiern österreichweit. Die jährliche Befreiungsfeier am Ort des ehemaligen KZ-Außenlagers Loilb Nord ist eine davon. Nun kam es zu Veränderungsmaßnahmen vor Ort im Rahmen eines Projekts der Bundesanstalt „KZ-Gedenkstätte Mauthausen/Mauthausen Memorial“.

Solche Maßnahmen ohne die lokale Initiative des Mauthausen Komitee Österreich, die sich seit vielen Jahren die Gedenk- und Erinngerungsarbeit am Loibl durchführt, zu setzen, zeigt von mangelnde Sensibilität und Professionalität“, so der MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi.

Bei einer Veranstaltung zum „Tag des Denkmals“ wird das Projekt der Bundesanstalt „KZ-Gedenkstätte Mauthausen/Mauthausen Memorial“, das sich den Namen „Erweiterung der KZ-Gedenkstätte“ gegeben hat, erstmals am Standort des ehemaligen Kärntner Mauthausen-Nebenlagers „Loibl-KZ-Nord“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška wird an der Veranstaltung aus Protest nicht teilnehmen.

Wir protestieren sowohl gegen die Vorgangsweise der Planung dieses Projekts (Intransparenz der Vorabsprachen und der Entscheidungsverläufe) als auch gegen das Endergebnis, mit dem sich nun Kärnten konfrontiert sieht: mit der Verhüllung der baulichen Überreste der ehemaligen KZ-Waschbaracke durch einen  „Sarkophag“ aus Beton und mit den zugedeckten Grundrissen der ehemaligen Küchenbaracke und des Appellplatzes, die bereits zuvor durch die Rekonstruktion sichtbar waren. Wir sehen in den vollzogenen Veränderungen eine Verdeckungsmaßnahme, die weder mit der Notwendigkeit des „Denkmalschutzes“ begründbar ist, noch unseren Vorstellungen von einer „Erweiterung“ der im Entstehen begriffenen Gedenk- und Lernstätte entspricht“, so Manfred Morokutti, Obmann Mauthausen Komitee Kärnten/ Koroška.

Da die getroffenen Veränderungsmaßnahmen die Vermittlungsarbeit der „Mauthausen-Außenlager-Guides“ vor Ort sehr erschweren und die Gedenk- und Erinnerungsarbeit ad absurdum führen, fordert das Mauthausen Komitee Kärnten/ Koroška die Verantwortlichen dazu auf, den vorherigen Zustand des Geländes wieder herzustellen, den Sarkophag zu entfernen und die bereits vorhandenen Konzepte der Sichtbarmachung und Unterschutzstellung entsprechend den Erfordernissen des sensiblen und belasteten Ortes so rasch als möglich umzusetzen.

Rückfragen:

Mauthausen Komitee Österreich: Willi Mernyi, MKÖ-Vorsitzender

Tel. 0664/1036465, 01/2128333 E-Mail: info@mkoe.at, Web: http://www.mkoe.at/presse; www.mauthausen-guides.at

Mauthausen Komitee Kärnten/ Koroška : Manfred Morokutti, Obmann
mk-kaernten@mkoe.at; Mobil 0650 4108208

Mauthausenfahrt 2019

Derzeit planen wir die Fahrt zu den Befreiungsfeierlichkeiten nach Mauthausen vom 2. bis 7. Mai 2019. Mit dabei werden neben einigen Mitgliedern des Komitees auch Schulklassen aus Berlin und Brandenburg sein – aber auch befreundete Initiativen, denen die antifaschistische Jugend- und Bildungsarbeit wichtig ist. Selbstverständlich können auch Privatpersonen und Interessierte an der Reise teilnehmen.
Wendet euch also einfach gerne an uns: kontakt[@]dmko.de

Derzeit planen wir: 

  • Besuch der Gedenkstätte Hartheim
  • Besuch der Gedenkstätte Mauthausen
  • Zeitzeuginnengespräch mit Anna Hackl
  • Teilnahme an den Befreiungsfeierlichkeiten in Mauthausen und Ried
  • Teilnahme an der Sitzung des Internationalen Mauthausen Komitees
  • Audioweg in Gusen
  • Besuch des Stollen der Erinnerung in Steyr
  • Teilnahme an der internationalen Jugendbegegnung in Gusen

Zubetonierte Erinnerungen

Aus: Ausgabe vom 29.08.2018, Seite 15 / Antifa

Von Anika Taschke

Auch in diesem Jahr unternahm die Organisation »Zivilcourage vereint« e. V. mit der Bundestagsabgeordneten Dr. Gesine Lötzsch von Die Linke und jungen Menschen aus ganz Deutschland eine Reise auf den Spuren des antifaschistischen Widerstandes in Europa. Diesmal nach Österreich und Slowenien. Am 2. August traf die Gruppe das erste Mal zusammen. Teilnehmende im Alter von 16 und 26 Jahren, aktiv in den Bereichen Antifaschismus, Antirassismus und Demokratie, hatten sich zur Studienreise angemeldet und fuhren zum Startpunkt nach München. Von dort aus folgte eine sechstägige Reise mit Gedenkstätten- und Museumsbesuchen, Zeitzeugengesprächen und abenteuerlichen Wanderungen. Bereits an der ersten Station, der ehemaligen »Euthanasie«-Stätte Schloss Hartheim bei Alkoven in Oberösterreich, fiel den Reisenden auf: Ein großes Interesse der Nachbarschaft an dem Thema und dem Ort in ihrem eigenen Dorf gibt es nicht.

In der KZ-Gedenkstätte Mauthausen stieß die Gruppe auf Eigenheiten, die sie im Gespräch mit der Leiterin der pädagogischen Abteilung, Gudrun Blohberger, kritisch hinterfragte. Seit April dieses Jahres sind Treppen und einige Wege innerhalb der Gedenkstätte abgesperrt. Darunter fällt auch die sogenannte Todesstiege. Errichtet wurde sie, um die Steine des unterhalb liegenden Steinbruchs in das Lager zu transportieren – getragen unter größter Anstrengung von Häftlingen des Konzentrationslagers und beschleunigt durch Peitschenhiebe der SS. Heute ist die Treppe aufgrund baulicher Maßnahmen und eines erhöhten Sicherheitsrisikos gesperrt. Ein Gedenken und Erinnern, nicht einmal ein Besehen der historischen Treppe und des Tatorts »Todesstiege« ist möglich. Eine neue Bauvorschrift sei daran schuld. Sie regele, dass nach 20 Stufen ein Podest gebaut werden muss, um Stürzende zu schützen. Eine Regelung, die uns auf der ganzen Reise nicht wieder begegnete. »Einmal mehr wird deutlich, dass Geschichte und Erinnerungen nicht selbstverständlich sind«, mahnte Gesine Lötzsch. »Wir müssen um diese kämpfen und vermeidlich kleine Verwaltungsakte hinterfragen, bevor historische Originale und Beweise verschwunden sind.« 

In Gusen, einem Nebenlager von Mauthausen, steht nichts mehr. Ehemalige Häftlinge kauften dort 1961 ein Grundstück, um ein kleines Museum zu ermöglichen. Seit einigen Jahren gibt es ein Kunstprojekt, das für Besucher trotzdem den Lageralltag und das Verbrechen von Gusen I und Gusen II erfahrbar machen soll. Ein Audioweg führt durch das Dorf. Mit Kopfhörern läuft man durch die Einfamilienhaussiedlung, eine Stimme beschreibt den Weg, Zeitzeugen, Opfer, Häftlinge, aber auch Anwohner kommen so zu Wort. Erwünscht fühlt man sich zwischen den großen Grundstücken nicht. Einige Wege wurden gesperrt, die Zäune wirken besonders hoch.

In der Gedenkstätte Loibl Nord wurde vor rund fünf Wochen das Fundament der ehemaligen Waschbaracke zubetoniert – aus Gründen der Konservierung, heißt es. Nichts, kein Stein, deutet darauf hin, dass hier noch Originalmauern vorhanden sind. »Originale sind für uns junge Menschen doch viel beeindruckender. Warum entfernt man sie?« fragte Samantha, eine Teilnehmerin der Gruppe. Schockierte Gesichter und viele Fragen am Ort des ehemaligen Konzentrationslagers Loibl Nord – ein Gedenkort, der erst vor einigen Jahren entstand, auf Druck des Mauthausen-Komitees Kärnten/Koroška. Gerti, unser Guide und Mitglied des Komitees, nahm die Eindrücke der Gruppe auf. Auch für sie ist es unverständlich, was hier geschehen ist. Doch einbezogen wird das Komitee schon seit Jahren nicht, dabei erarbeitet es immer wieder Vorschläge für die Konzeption der Gedenkstätte.

Anna Hackl und Zdravko Haderlap empfingen die jungen Menschen und erzählten ihre Geschichten. Annas Mutter versteckte 1945 zwei geflohene sowjetische Häftlinge des KZ Mauthausen bis zum Ende des Krieges. Zdravkos Vater war selbst im Kärntner Widerstand und ist mit den Geschichten der Partisanen aufgewachsen. Beide wurden von diesen Erfahrungen geprägt – sie arbeiten bis heute mit jungen Menschen und erzählen aus den unterschiedlichsten Perspektiven, dass Widerstand möglich war und heute wieder nötig ist. Anna Hackl bat die Teilnehmer am Ende des Gespräches, dass solche Verbrechen nie wieder stattfinden dürfen und dass wir, die heutigen Generationen, uns täglich für eine solidarische, friedliche und tolerante Gesellschaft einsetzen mögen.

»Es zieht sich durch unsere Reise. Die rechte FPÖ setzt ihr Programm durch«, warnte Gesine Lötzsch. Von deutschen Politikern werde die Entwicklung in Österreich noch bejubelt. »Wir müssen uns dem Rechtsruck in Europa deutlich entgegenstellen«, sagte Lötzsch zum Abschluss. Seit Jahren fährt sie in Länder des antifaschistischen Widerstandes. Auch in Polen, Slowenien, Serbien oder Kroatien zeigen sich vor diesem Hintergrund deutliche Veränderungen in der Erinnerungspolitik und der Gedenkstättenarbeit.

Auf Reisen wie dieser werden Inhalte vermittelt, die im Geschichtsunterricht keinen Platz finden. Aber sie sind für das Verständnis der aktuellen Politik und der Gefahren von heute mehr als wichtig.

Hier der Artikel auf jungewelt.de

Loibl Nord: ein Brief

Liebe Freundinnen und Freunde,

Gestern haben mich beiliegende, erschreckende Bilder von der KZ-Gedenkstätte am Loiblpass (Loibl Nord) erreicht. Diese Fotos zeigen die Überreste der ehemaligen Waschbaracke (vorheriger Zustand und aktueller Zustand), eine der wenigen baulichen Überreste des KZ des Nordlagers.

Klar, der Betonboden der Waschbaracke war kaputt, aber es war deutlich zu erkennen, dass es sich dabei um den Boden früherer Duschen handelt. Damit diese Relikte einerseits erhalten bleiben, aber andererseits auch für die Vermittlungen genutzt werden können, wäre eine Überdachung als Wetterschutz und eine behutsame Fixierung der Betonteile möglich gewesen.

Wie ihr auf den Fotos aber sehen könnt, wurden sämtliche Relikte der Waschbaracke in neuen Beton eingegossen. Unsere Freunde vom Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška, die seit Jahrzehnten für diese Gedenkstätte arbeiten und ohne deren Einsatz es diesen Ort so gar nicht mehr geben würde, wurden von dieser Aktion nicht informiert, weder vorher noch nachher.

Können wir uns vorstellen, dass in Auschwitz-Birkenau die Reste des gesprengten Krematoriums in einen modernen Beton-Sarkophag eingegossen werden? Undenkbar!

Wie es scheint, hat die Bundesanstalt Memorial Mauthausen jetzt bevorzugt ihren Fokus auf das Betonieren verlegt, nach dem Betonturm („Turm der Schande“) in Mauthausen jetzt die nächste, mit niemanden abgesprochene Aktion.

Es ist in dieser Form ein Skandal, dass ohne jede Information an die anderen Beteiligten mit massivem Beton in KZ-Gedenkstätten eingegriffen wird. Der „Turm der Schande“ in Mauthausen könnte wahrscheinlich abgerissen werden, ohne dass sichtbare Schäden an der historischen Bausubstanz zurückbleiben. Die Reste der Waschbaracke des Loibl-KZ sind wahrscheinlich für immer unter Beton verschwunden.

DRINGEND: Petition gegen die Bebauung ehemaligen KZ-Geländes

Bei dem folgenden Anliegen handelt es sich um eine bei change.org erschienene Petition. Diese soll die Rücknahme einer Umwidmung von Gründen durch die Gemeinde St. Georgen an der Gusen (Oberösterreich) bewirken, die eine Bebauung ehemaligen KZ-Geländes ermöglicht. Die umfangreiche Bebauung würde ein angemessenes Erinnern an die Verbrechen der Nationalsozialisten verhindern. Die Petition braucht 5000 Unterzeichner und findet sich hier.

Um den politischen Druck zu erhöhen, kann auch ein Brief an den Gemeinderat von St.Georgen geschickt werden:

PETITIONSBRIEF AN:
Gemeinderat von St. Georgen an der Gusen Gemeinderat St. Georgen an der Gusen
Bürgermeister der Gemeinde von St. Georgen an der Gusen – Major of St. Georgen an der Gusen Bürgermeister Erich Wahl, Major Erich Wahl

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Erich Wahl!

Ich bitte Sie, die Umwidmungen auf dem Gelände der Eingänge zu den ehemaligen Stollen (Pötsch-Gründe) von B8 Bergkristall rückgängig zu machen, eine Unterschutzstellung an zu streben und versuchen das gesamte Gelände als Gedenk- und Parkanlage zu erhalten.

Das ehemalige Konzentrationslager Gusen war ein Nebenlager des KZ-Mauthausen und wird aufgrund der dort erlebten Schrecken von ehemaligen Häftlingen auch als „Tor zur Hölle“ bezeichnet:

Keine Wohnungen an den Pforten zur Hölle zulassen – Do not allow dwellings in front of the gates of hell

Erinnerungskultur nicht verbauen – Umwidmung der „Pötsch-Gründe“ rückgängig machen

Do not destroy commemorations – re-change building permission at “Pötsch area”!

Die Gemeinde St. Georgen an der Gusen (Österreich) hat die Gründe der ehemaligen Eingänge zum Nazistollen „B8 Bergkristall“ in Bauland (Wohngebiet) umgewidmet. Darauf sollen nun laut Plänen Wohnsiedlungen entstehen. Die künftigen Bauten stünden daher auf historischem Boden, auf dem Grund der zerstörten Einfahrtsstollen – die Pforten zur Hölle für die geschundenen Häftlinge und Zwangsarbeiter und der letzte Anblick von Tageslicht für die über 10.000 Ermordeten in den St. Georgener Todesstollen.

In 2014 the St. Georgen administration (Austria) changed the area around the former nazi tunnel entrances of the „B8 Bergkristall” underground plant into a new block building area. These new blocks of flats would be standing on “historic ground”, replacing the former entrance tunnels, which were the “entrances to hell” for the misused prisoners and forced labourers, and even the last moment to see daylight for the about 10.000 persons killed inside.

Die Zeit drängt, denn die Bauträger wollen im Frühjahr 2015 mit dem Bau beginnen. Wir stellen uns gegen die massive Bebauung der ehem. Eingänge dieser Todes-Maschinerie, denn diese Böden und Gründe sind aufgrund der Vorkommnisse während der NS-Zeit historisch massiv belastet.

As time is running, because buildings are planned to start in the spring of 2015. We protest against such a massive building on this site of the former deadly nazi machinery. This place and soil was a death place.

Unserer Meinung nach muss das ganze Gelände untersucht, später denkmalgeschützt werden und als Parkanlage erhalten bleiben.

We think the whole area should be examined by specialists and later put under National Protection as a Memorial, additionally surrounded by a park.

Wir müssen neue Prozesse der Lern-, Gedenk-und Erinnerungskultur für die Zukunft zulassen, ohne dass zuvor irreparable Einschränkungen durch die Erbauung eines massiven Wohngebietes mit einem Umfang zwischen 130 und 140 Wohnungen auf diesen Gründen samt Tiefgarage gesetzt werden.

New process of learning and commemoration should be made possible for the future without massive destruction and restrictions by setting up a “living ghetto”, containing 130 to 140 flats and the subterranean parking lot for cars.

Gerade die Erfahrungen seit der Vorgehensweise in Langenstein mit einer Überbauung des kompletten Lagergeländes des KZ-Gusen zeigen die Problematik und Konfrontation mit einer pietätvollen Erinnerungskultur auf, wenn auf derartigem Gebiet Wohnsiedlungen gebaut werden, denn es entsteht ein Spannungsfeld zwischen Siedlungsbewohnern und Besuchern, wie zum Beispiel Überlebende, Nachkommen der Überlebenden und Ermordeten, Touristen, Geschichtsinteressierten etc.

Experiences of that kind made in Gusen / Langenstein, where the former nazi concentration camp ground was completely filled with private houses, show the difficulty of remembrance habits confronted with a private residental area.

Es gilt auch zu bedenken, dass durch den geplanten Bau von Wohneinheiten die gesamte Geometrie und die Perspektiven über dieses Gebiet verändert wird. Letztlich würde sich der verbleibende Stolleneingang mit Vorplatz verschwindend klein und nicht einsehbar ausnehmen, was die historische Bedeutung dieser Gegend rein optisch schmälern, um nicht zu sagen, relativieren, ja sogar verstecken würde. Die Gemeinde St. Georgen plant einen kleinen Gedenkplatz, den „Platz der Stille“, der allerdings von der gesamten umgewidmeten Fläche nur etwa 11% einnimmt.

Considering the brutal history, this massive building on the site of former nazi tunnel entrances would change views to the remaining ruins and the new made entrance to Bergkristall, end of the audio-guided “way of commemoration”. The historic place would be hidden and only seen very small in the distance among the future blocks. The planed “place of silence” in front of the gate to Bergkristall will only be 11% of the full site.

Die vom Grundbesitzer Pötsch gesprengten und demolierten Bahn-Einfahrtsstollen reichten bis knapp hinter das Haus Pötsch und auch in den künftigen Verbauungsbereich. Die künftigen Bauten stünden daher auf historischem Boden, auf dem Grund der zerstörten Einfahrtsstollen und der darunter liegenden zu vermutenden tiefen Bauten. Der Grundbesitzer Pötsch ließ auch drei der fünf aus Stahlbeton bestehenden Eingangsbauten in den Jahren nach 1965 zerstören.

The land owner Pötsch had destroyed the former tunnel entrances behind his house and on the future building site. The future blocks of flats will be standing on historic ground, on the place of these tunnel entrances and of further assumed deeply subterranean nazi buildings. Pötsch had also destroyed three of the five armed concrete entrance buildings, that can been on several US photographs.

Zusätzlich muss betont werden, dass tiefer liegende NS-Bauwerke unter der zu verbauenden Fläche zu vermuten sind und bislang nicht erforscht wurden. Einen Hinweis dazu gibt es in den St. Georgener Nachrichten aus dem Jahr 1983, als berichtet wird, die Gemeindearbeiter wären beim Neubau der Wasserstelle neben Bergkristall in größerer Tief auf Schienen gestoßen und weiter in 19,5 Metern Tiefe hemmte eine starke Eisenplatte alle weiteren Bohrungen.

Additionally we must emphasize on the large assumed nazi buildings in the depth, which had never been searched for and never examined. There is a hint in local “St. Georgen News” of 1983, reporting some rebuilding work of the local font in this area. Deep in the ground the workers had found rails and, in the depth of 19.5 metres, they could not go on because of a vey massive large iron plate.

B8 Bergkristall – KZ Gusen II

Die Großbunkeranlage „Bergkristall“ in St. Georgen/Gusen ist das größte Gebäude aus der NS-Zeit in Österreich. Knapp 54.000 Quadratmeter bombensichere Produktionsfläche wurden von Häftlingen des Konzentrationslagers KZ Gusen II in den Jahren 1944 und 1945 in nur 13 Monaten Bauzeit unter unvorstellbar grausamen Bedingungen und um den Preis von tausenden toten KZ-Häftlingen errichtet. Unter Tarnbezeichnungen wie z.B. „B8“ oder „Esche II“ wurden in „Bergkristall“ unter strengster Geheimhaltung Rümpfe für das damals bahnbrechende Düsenjagdflugzeug Me-262 in Fließbandarbeit gefertigt. Ebenso waren Schlüsseltechnologien für die Produktion von Spezialteilen in „Bergkristall“ bombensicher untergebracht. Standortentscheidend dürfte eine bereits seit 1939 in St. Georgen durch die SS betriebene Sandgrube, das Vorhandensein kleinerer Brauereikeller, die in St. Georgen und Gusen bereits vorhandene SS-Infrastruktur, die bereits seit 1943 erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Messerschmitt GmbH Regensburg und den Deutschen Erd- und Steinwerken (DEST), sowie die Nähe zu den Konzentrationslagern Mauthausen und Gusen gewesen sein. Die Realisierung des Projektes „Bergkristall“ führte zur zusätzlichen Deportation tausender KZ-Häftlinge nach Gusen, die dort in dem ab 9. März 1944 offiziell geführten Häftlingslager Gusen II unter primitivsten und menschenunwürdigsten Umständen untergebracht wurden. Die stark verschmutzen Unterkunftsbaracken waren oft verseucht und heillos überfüllt. Zeitweise wurden mehr Menschen über einen direkten Bahnanschluss „angeliefert“ als im Lager für das Projekt „verbraucht“ wurden. Tausende starben rasch infolge der harten Arbeit in den Stollen, der Unterernährung, dem Mangel an Schlaf und der fehlenden Hygiene.

Bergkristall underground factory is he largest nazi building in Austria. In 1944-45 prisoners from nearby Concentration Camp Gusen II had to build this bomb resisting production plant covering about 54 000 qms in the time of only 13 months. Working conditions were extremely brutal and caused the death of many thousand lives. Coded “B8”, “Esche II” and “Bergkristall” this was the most secret underground construction site of “Me-262” aircrafts, the latest jet fighter of the Germans. Additionally these bomb resisting tunnels were the production place of other secret special military objects. The nearby SS-led sand ditch and the cellars of the local brewery were overtaken by the SS in 1939 and led the way to building this tunnel system there. The nearby Mauthausen / Gusen Concentration Camps and the local SS-infra-structure, the long-time cooperation between the DEST and the Messerschmitt plant in Regensburg promoted the installation of this big factory in that hill in St. Georgen. The new project started in 1944, causing the deportation of thousands of prisoners from Auschwitz and other concentration camps to Gusen, where there was set up the new Gusen II Camp, officially opened on March 9th, 1944, the most deadly and most primitive, cruel camp of all the Mauthausen satellite camps. The overcrowded camp blocks were haunted by animal vermin and illnesses. In January 1945, deportations of prisoners from various concentration camps sometimes exceeded the demand for forced labourers, so many of these deported had to die inside the wagons of the deportation trains. Thousands died of harsh working conditions inside the tunnels, of hunger, diseases and and exhaustion.

Die Errichtung der Stollenanlagen in Gusen und St. Georgen und der äusserst brutal geführte Häftlingseinsatz sind auch verantwortlich dafür, dass die Opferzahl der Lager von Gusen ab 1942 schon jene des Lagers Mauthausen deutlich überstieg. Die Stollen von „Bergkristall“ bilden in einer gewissen Weise auch das bauliche Gegenstück zur heutigen Gedenkstätte Mauthausen. Beide Baukomplexe markieren letztlich auch bis heute die außergewöhnlich raumgreifende Ausdehnung des ehemaligen KZ-Komplexes Mauthausen-Gusen. Sie zeigen auch den Wandel dieses KZ-Komplexes während des Kriegsverlaufes von einem Zentrum der Granitsteinindustrie zu einem Zentrum für die Kriegsproduktion im totalen Krieg, deren wahre Ausmaße bis heute nicht erforscht sind. Aktuell beschäftigt sich der Linzer Dokumentarfilmer Andreas Sulzer mit neu aufgetauchten Dokumenten, die weitere Stollenanlangen belegen sollen. „Bergkristall“ wurde mit den Konzentrationslagern Mauthausen und Gusen I, II & III am 5. Mai 1945 befreit.

The construction of subterranean tunnel systems in Gusen and St. Georgen, the brutal working conditions had increased the death tolls of the Gusen camps compared to those of the “mother camp” Mauthausen, since 1942. The tunnels of Bergkristall form the construction counterpart to the still existing Concentration Camp Mauthausen, now a well kept memorial. The constructions of Mauthausen, Gusen and Bergkristall mark the enormous extension of the Mauthausen-Gusen complex during the war, from the center of granite production to the center of arms production in the declared “total war”, an extension that has not been examined by now. Currently, the Austrian documentary filmmaker Andreas Sulzer is busy with newly surfaced documents purporting to show more tunnel systems. The Bergkristall plant was liberated together with the Mauthausen and Gusen I, II and III Concentration Camps on May 5th, 1945.

Im Herbst 1947 wurde durch eine Strafkompanie der Roten Armee versucht, das Stollensystem mit nicht mehr benötigten Fliegerbomben zu sprengen. Diese mehrere Wochen dauernden Sprengversuche konnten die Anlage aber nicht vollständig zerstören, sondern nur an einzelnen Stellen erheblich beschädigen. So kam es bereits wenige Jahre nach diesem Zerstörungsversuch zu einzelnen, bis an die Oberfläche reichenden Kraterbildungen, die aber von der Bevölkerung wieder sukzessive verfüllt wurden. Da „Bergkristall“ während des totalen Krieges ohne irgendwelche Bewilligungen errichtet worden ist, blieben Fragen des Eigentums, der Verantwortlichkeit oder Zuständigkeit viele Jahrzehnte lang ungeklärt. Die teilweise stark beschädigten Stollen wurden in den Jahrzehnten nach dem Krieg aber für einzelne Nachkriegsnutzungen wie z.B. ein unterirdisches Kavernenkraftwerk, einen Großbunker für den Zivilschutz oder ein Atommüll-Lager in Betracht gezogen. Mit Ausnahme einer Champignonzucht und dem Abbau des bei den Sprengstellen angefallenen Sandes wurde aber keine dieser Nutzungen je realisiert, dagegen wurde das gesamte südliche Hügelgebiet durch massiven Sandabbau zerstört und andere Teile des Hügels wurden ohne Sorge um die Sicherheit der Bewohner überbaut.

In the autumn of 1947, a penal group of The Red Army tried to destroy the Bergkristall tunnel system by the use of remaining air bombs. These attempts to blow up the tunnel system did not really destroy the plant, but caused damage on several places, i.e. the crossings of tunnels. Therefore many craters formed the surface of the Bergkristall hill after these attempts of destruction, which were continuously filled by the local population. Being constructed illegally during “the total war”, matters of propriety and responsibility had not been made clear for decades. After Soviet occupation the semi-destroyed tunnel system was considered to house a subterranean power plant, a bunker for civil protection and even a deposit for nuclear waste. No ones of these after-war projects were made real, but the local “proprietor” of the outside area used the tunnels for growing champignon mushrooms and sold the sand of the hill. The massive sand mining destroyed much of the hill, the northern part of it was used for private house building without caring for persons’ safety.

Erst im Jahre 2001 trat die Republik Österreich bei „Bergkristall“ die offizielle Rechtsnachfolge nach dem Großdeutschen Reich an und übertrug die Tunnelruine an die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) als neue Eigentümerin. Nachdem aber schon in den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts über einzelnen Stollenteilen Häuser errichtet worden waren, begann die BIG bereits in den Jahren 2003 und 2004 zur Absicherung dieser Häuser mit einer Teilverfüllung der Stollen begonnen. 2009 wurde dann der grösste Teil der verbliebenen Stollen durch die BIG gesichert. Seit diesem Zeitpunkt laufen aber umfangreiche Bemühungen, um die nun noch erhaltenen Stollenreste von Bergkristall als Gedenkstätte zugänglich zu machen. Im Mai 2010 war es ehemaligen Häftlingen der Konzentrationslager von Gusen erstmals sei dem Kriegsende möglich, die verbliebenen Stollen von „Bergkristall“ zu besuchen.

Not before 2001, the Republic of Austria became successor to the former “German Reich” by law in the case of Bergkristall, and transferred the semi-destroyed tunnel system to the BIG (Bundesimmobilien-Gesellschaft, a national company), the new declared proprietor. To improve the safety of the new-built houses on the surface the BIG started filling up the tunnels in the years 2003 / 2004 until 2009. Since then there were made several attempts and actions to open the only remaining and carefully restored tunnel A to the public. In 2010 the first groups of former prisoners of the Gusen Camps and family members were allowed to visit this only remaining tunnel.